Ermordeter früherer Regierungschef Staatsakt für Shinzō Abe in Japan hat begonnen

Tausende Trauergäste gedenken in Japan des ermordeten früheren Regierungschefs Shinzō Abe. Im Vorfeld kam es zu wütenden Protesten.
Gedenken an Shinzō Abe: Der frühere japanische Premierminister wurde im Juli erschossen

Gedenken an Shinzō Abe: Der frühere japanische Premierminister wurde im Juli erschossen

Foto: Yuichi Yamazaki / AFP

Staatstrauerakte für Ex-Premiers sind in Japan seit Langem unüblich, Shinzō Abe wird dennoch mit einer solchen Würdigung verabschiedet. Nun hat der umstrittene Trauerakt für den kürzlich ermordeten Ex-Regierungschef begonnen.

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen fanden sich am Dienstag in Tokio rund 4300 Trauergäste aus dem In- und Ausland zu dem seltenen Staatsakt ein. Aus Deutschland reiste Ex-Bundespräsident Christian Wulff an.

Begleitet von Kanonenschüssen betrat Abes in einen schwarzen Kimono gekleidete Witwe Akie mit der Urne ihres Mannes die Kampfsporthalle Nippon Budokan. Dort nahmen die Trauergäste vor einem großen Porträt des ermordeten Ex-Premiers mit Trauerflor Platz. In einem nahen Park legten seit dem Morgen zahlreiche Menschen an zwei Ständen Blumen nieder und beteten.

Abe wurde am 8. Juli während einer Wahlkampfrede in Nara erschossen. Der Attentäter hatte angegeben, den Rechtskonservativen aus Hass auf die umstrittene Mun-Sekte ermordet zu haben. Die für ihre konservative und antikommunistische Gesinnung bekannte Mun-Sekte , zu der Abe in Verbindung gestanden hatte, habe seine Mutter in den finanziellen Ruin getrieben und die Familie zerstört.

60 Prozent der Japaner laut Umfragen gegen den Staatsakt

Japans am längsten amtierender Regierungschef gilt zwar weltweit als verdienter Staatsmann, im eigenen Volk war Abe mit seiner nationalistischen Agenda und mehreren Skandalen um Vetternwirtschaft aber umstritten.

Auch der Trauerakt steht in der Kritik. Umfragen zufolge sind etwa 60 Prozent der Japaner dagegen. Im Vorfeld kam es zu wütenden Protesten. Rund 20.000 Polizisten wurden nun mobilisiert.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine solche Würdigung für frühere Premierminister in Japan unüblich. Nur einmal gab es dies seither, 1967 für Shigeru Yoshida. Unter den Trauergästen für Abe sind auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris und die Regierungschefs von Indien und Australien, Narendra Modi und Anthony Albanese.

asc/dpa/AFP
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