Flüchtlingsboot Fischer bergen 25 ertrunkene Geflüchtete vor Küste des Jemen

Einheimische nennen die Gegend wegen der Schlepperbanden nur »Tor zur Hölle«: In einer Meerenge nahe dem Jemen ist ein Boot mit bis zu 200 Schutzsuchenden an Bord gekentert. Nun wurden erste Leichen geborgen.
Meerenge Bab al-Mandab – Einheimische nennen sie »Tor zur Hölle«

Meerenge Bab al-Mandab – Einheimische nennen sie »Tor zur Hölle«

Foto: Gallo Images / Orbital Horizon / Copernicus Sentinel Data / Getty Images

Vor der Küste des Jemen haben Fischer am Montag 25 Leichen geborgen. Nach Angaben der Behörden war zuvor ein Boot mit bis zu 200 Schutzsuchenden an Bord gekentert. Den Fischern zufolge wurden die Toten in der Meerenge Bab al-Mandab entdeckt, die zwischen dem nordostafrikanischen Dschibuti und dem Jemen liegt. Das Schicksal der anderen Bootsinsassen war zunächst unklar.

»Das Boot ist vor zwei Tagen gekentert und hatte zwischen 160 und 200 Menschen an Bord«, sagte ein Behördensprecher unter Berufung auf jemenitische Schlepper. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen bestätigte den Untergang eines Bootes in dem Gebiet, konnte aber zunächst keine näheren Angaben machen.

Jemen immer noch Ziel vieler Schutzsuchenden

Die Leichen seien vor Ras al-Ara in der südlichen Provinz Lahidsch geborgen worden, sagten Fischer der Nachrichtenagentur AFP. Das Gebiet wird von Einheimischen wegen der dort sehr aktiven Schlepperbanden »Tor zur Hölle« genannt. Bei den Ertrunkenen handele es sich mutmaßlich um afrikanische Geflüchtete.

Der Jemen ist trotz des seit sechs Jahren herrschenden Krieges und verheerender Armut Ziel vieler Menschen aus anderen afrikanischen Ländern, die auf der Suche nach Arbeit auf der arabischen Halbinsel sind. Sie hoffen, von dort nach Saudi-Arabien oder in andere Ölstaaten zu gelangen. Viele Geflüchtete stranden jedoch im Jemen.

Nach Angaben der IOM trafen in diesem Jahr bislang 5100 Migranten im Jemen ein. 2020 waren es 35.000, 2019 noch 127.000, bevor der Ausbruch der Coronapandemie zu einem Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften in den Golfstaaten führte.

Die Uno-Organisation schickt viele im Jemen eintreffende Migranten wieder in ihre Heimatländer zurück. Im April erklärte sie, dass mehr als 32.000 Geflüchtete, überwiegend aus Äthiopien, in dem ärmsten Land auf der arabischen Halbinsel gestrandet seien.

mfh/AFP
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