Bürgerkrieg im Jemen Mindestens 70 Tote – und niemand will es gewesen sein

Der Konflikt um den Jemen eskaliert wieder. Bei einem verheerenden Luftangriff im Norden des bitterarmen Landes starben viele Menschen. Die Huthi-Rebellen bezichtigen Saudi-Arabien. Das Königreich dementiert.
Jemen: Viele Tote nach Luftangriff in Saada

Jemen: Viele Tote nach Luftangriff in Saada

Foto: NAIF RAHMA / REUTERS

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat Berichte über einen Luftangriff auf ein Gefängnis im Bürgerkriegsland Jemen mit Dutzenden Toten zurückgewiesen.

Der Vorwurf, es habe unter den Gefangenen Opfer gegeben, sei »unwahr«, erklärte ein Militärsprecher, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Samstag meldete. Es handele sich bei den Anschuldigungen vielmehr um die übliche »Verblendungstaktik« der jemenitischen Huthi-Rebellen.

Bei der Bombardierung in der von den Huthis kontrollierten Stadt Saada im Norden des Jemen waren am Freitag laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 70 Menschen getötet und 138 verletzt worden.

»Es scheint ein schrecklicher Akt der Gewalt gewesen zu sein«

»Es scheint ein schrecklicher Akt der Gewalt gewesen zu sein«, erklärte ein MSF-Sprecher. Saada liegt unweit der Grenze zu Saudi-Arabien und steht unter Kontrolle der Huthi-Rebellen, die große Teile des Jemens beherrschen.

Luftangriffe gab es auch in anderen Gebieten des Bürgerkriegslandes, so auch auf die Hafenstadt Hodeida; dabei wurden drei Kinder getötet. »Die Kinder spielten Berichten zufolge auf einem nahe gelegenen Fußballplatz, als die Raketen einschlugen«, teilte die Organisation Save the Children mit.

Die Huthi-Rebellen hatten 2014 weite Teile des Jemen überrannt, darunter die Hauptstadt Sanaa. Saudi-Arabien führt seit 2015 mit anderen Ländern auf der Seite der international anerkannten Regierung einen Militäreinsatz gegen die Huthis. Das sunnitische Königreich sieht in ihnen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran.

Der Konflikt um das bitterarme Land im Süden der Arabischen Halbinsel hatte sich in den vergangenen Tagen wieder verschärft. Bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff der Huthis im Emirat Abu Dhabi wurden vor einigen Tagen mindestens drei Menschen getötet. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind Teil des saudischen Bündnisses.

Uno-Sicherheitsrat verurteilt »abscheuliche Terroranschläge«

Der Uno-Sicherheitsrat trat am Freitag auf Antrag der Vereinigten Arabischen Emirate wegen des Angriffs vom Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Einstimmig verurteilten die Ratsmitglieder die »abscheulichen Terroranschläge« der Huthis in Abu Dhabi. Die norwegische Uno-Botschafterin Mona Juul bezeichnete jedoch auch die jüngsten Angriffe im Jemen als »nicht akzeptabel«. Norwegen hat derzeit den Vorsitz im Uno-Sicherheitsrat inne.

US-Außenminister Antony Blinken rief angesichts von »mehr als hundert Opfern in den vergangenen Tagen« alle Konfliktparteien zur »Deeskalation« auf.

Uno-Generalsekretär António Guterres forderte ein Ende der »Eskalation« des Jemenkonflikts. Er verurteilte die Luftangriffe in Saada und Hodeida ebenso wie den Drohnenangriff der Huthi-Rebellen. Er erinnert alle Konfliktparteien daran, »dass Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur durch das humanitäre Völkerrecht verboten sind«.

dop/dpa/AFP

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