Weitere Waffenlieferungen und Hilfe bei Cyberangriffen Nato befürchtet jahrelangen Krieg in der Ukraine

Generalsekretär Jens Stoltenberg hat kaum Hoffnung, dass der Krieg in der Ukraine schon bald zu Ende ist: Nach Erkenntnissen des Militärbündnisses bereitet Russland eine neue Großoffensive vor.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: Krieg könnte noch »viele Monate oder sogar Jahre« andauern

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: Krieg könnte noch »viele Monate oder sogar Jahre« andauern

Foto: FRANCOIS WALSCHAERTS / AFP

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine könnte nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg noch Jahre dauern. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass Wladimir Putin seine Ambitionen aufgegeben habe, die komplette Ukraine zu kontrollieren, sagte Stoltenberg am Mittwoch während des Treffens der 30 Außenminister der Bündnisstaaten in Brüssel. Man müsse sich bewusst darüber werden, dass der Krieg noch »viele Monate oder sogar Jahre« andauern könne.

Den Rückzug russischer Truppen aus dem Norden der Ukraine erklärte Stoltenberg mit einer nach Nato-Erkenntnissen geplanten Großoffensive im Osten. Die russischen Streitkräfte sollen demnach offenbar verstärkt und neu bewaffnet werden, um den gesamten Donbass einzunehmen und eine Landbrücke zur bereits besetzten ukrainischen Halbinsel Krim zu schaffen.

Konsequenz aus den Entwicklungen ist laut Stoltenberg, dass sich die Nato auf einen langen Weg vorbereiten muss. »Wir müssen die Ukraine unterstützen, unsere Sanktionen aufrechterhalten, unsere Verteidigung und unsere Abschreckung stärken«, sagte er.

Lambrecht: »Der Feind hört mit«

Stoltenberg hatte bereits am Dienstag gesagt, dass die Ukraine weiter auf Hilfe und Solidarität der Nato-Staaten zählen könne. »Die Alliierten sind entschlossen, die Ukraine weiter zu unterstützen«, sagte er. Dazu gehöre auch die Lieferung von Panzerabwehrwaffen, Luftabwehrsystemen und anderer Ausrüstung. Die Nato wolle zudem zusätzliche Unterstützung bei der Abwehr von Cyberangriffen leisten.

»Wir arbeiten jeden Tag mit Hochdruck daran, weitere Waffen liefern zu können«, sagt Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in einer Aktuellen Stunde des Bundestags. Dazu sei die Bundesregierung in einem ständigen Austausch mit der ukrainischen Regierung, den Partnern und der Rüstungsindustrie. Dass die Bundesregierung über Art und Zahl der Waffen nicht öffentlich rede, habe einen Grund: »Die Ukraine hat ausdrücklich darum gebeten, und wir halten uns daran«, sagt die SPD-Politikerin. »Es geht aus militärischer Sicht nämlich darum, dass Russland im Unklaren über die Typen und Mengen der gelieferten Waffen ist und sich nicht darauf einstellen kann, der Feind hört nämlich mit.«

als/dpa/Reuters
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