Nato-Generalsekretär Stoltenberg bleibt doch noch ein Jahr

Jens Stoltenberg hat sich offenbar wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine umentschieden. Er wechselt nun doch nicht zur norwegischen Zentralbank, sondern verlängert seine Amtszeit als Nato-Generalsekretär.
Jens Stoltenberg

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JOHANNA GERON / REUTERS

Jens Stoltenberg bleibt nach Informationen norwegischer Medien ein weiteres Jahr Generalsekretär der Nato. Er werde seinen Vertrag verlängern, berichten der Sender TV2 und die Zeitung »Dagens Naeringsliv«.

Stoltenbergs reguläre Amtszeit endet am 30. September, er sollte danach eigentlich Chef der Zentralbank von Norwegen werden. Hintergrund der Verlängerung, die formal die Nato-Staaten beschließen müssen, ist der russische Angriff auf die Ukraine.

Norwegen hatte zuvor mitgeteilt, einer längeren Amtszeit nicht im Weg stehen zu wollen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte am Donnerstag vor norwegischen Journalisten in Brüssel, er habe das Thema mit Stoltenberg diskutiert und seinem Landsmann seine Unterstützung bekundet. Mehrere seiner Amtskollegen hätten die Frage nach einer möglichen Verlängerung aufgeworfen, sagte Støre der Nachrichtenagentur NTB.

Dass Stoltenberg nun länger beim westlichen Militärbündnis bleibe, stelle eine große Anerkennung für seine geleistete Arbeit dar. Seine Arbeit sei in dieser Krise wichtig gewesen, sagte Støre demnach. Die Nato-Staaten sprechen an diesem Donnerstag bei einem Sondergipfel in Brüssel über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Stoltenberg war Anfang Februar zum künftigen Chef der norwegischen Zentralbank ernannt worden. Am Mittwoch hatte sich Stoltenberg allerdings bereits offen für eine Verlängerung seines Vertrags an der Spitze der Nato gezeigt. Gerüchte über einen Verbleib hatte es zuletzt wieder gehäuft gegeben. Stoltenbergs Kandidatur für den Chefposten bei der Zentralbank galt wegen seiner engen Freundschaft mit dem sozialdemokratischen Regierungschef Støhre ohnehin als umstritten.

Stoltenberg hat einen Ruf als geschickter Vermittler zwischen den teils sehr unterschiedlichen Interessen der mittlerweile 30 Nato-Staaten. Als sein Verdienst gilt insbesondere die Moderation in dem während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump eskalierten Streit über die Verteidigungsausgaben der europäischen Alliierten. Trump drohte zeitweise sogar mit einem Austritt der USA aus dem Bündnis.

als/dpa/Reuters