Starprediger und Trump-Unterstützer Erzkonservativer nach Skandalfoto und Affäre beurlaubt

Erst musste Jerry Falwell Jr. wegen eines unsittlichen Fotos seinen Posten als Unipräsident räumen, nun bringen Enthüllungen eines 29-Jährigen über eine Affäre mit seiner Frau den prominenten Konservativen in Bedrängnis.
Jerry Falwell Junior

Jerry Falwell Junior

Foto: Jonathan Drake/ REUTERS

Ein Skandal um den Präsidenten einer der bekanntesten evangelikalen Universitäten der USA, Jerry Falwell Jr., weitet sich aus. Falwell gilt als eine der einflussreichsten Figuren der amerikanischen christlichen Konservativen und positionierte sich schon früh und vehement als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump.

Nachdem ein Foto öffentlich wurde, das Falwell mit geöffneter Hose in Begleitung einer Frau zeigte, die nicht seine Ehefrau ist, wurde er in seiner Funktion als Präsident der streng konservativen Liberty University im US-Bundesstaat Virginia auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Zunächst stimmte er seinem von der Universität geforderten Rücktritt zu, nahm diesen jedoch anschließend über seinen Anwalt wieder zurück.

Das Bekanntwerden eines weiteren vermeintlichen Sexskandals veranlasste die streng konservative Universität nun, ihr Urteil zu bekräftigen. Es sei "nicht im besten Interesse der Universität, dass er als Präsident zurückkehrt". Falwell selbst sagte am Montagabend, das sei noch nicht entschieden.

Erst Skandalfoto, dann Sexskandal

Das Foto, das den ersten Skandal um den prominenten Konservativen auslöste, zeigt ihn und seine Begleiterin in Umarmung und mit geöffneten Hosen. Bei der Frau soll es sich um die Assistentin seiner Ehefrau handeln. Falwell sagte, bei ihm sei dies aus einer Partylaune heraus dazu gekommen, seine Begleitung hingegen sei schwanger gewesen und habe deswegen ihre Hose nicht richtig schließen können. Falwell selbst hatte das Foto in den sozialen Medien veröffentlicht und dazu geschrieben: "Mehr Urlaubsfotos. Viele gute Freunde haben uns auf der Jacht besucht."

Während seiner darauffolgenden Freistellung als Universitätschef veröffentlichte ein Geschäftspartner Informationen zu einer angeblich sechs Jahre andauernden Affäre mit Falwells Ehefrau, an der auch Falwell selbst partizipiert haben soll.

Das Verhältnis des Paares zu dem mittlerweile 29-jährigen Giancarlo Granda soll demnach 2012 entstanden sein, als dieser als Poolwärter in einem Hotel in Miami Beach arbeitete. Die Affäre soll bis 2018 angedauert haben. Er will demnach das Paar, das seit 1987 verheiratet ist, mehrmals pro Jahr getroffen haben. Mit Falwells Ehefrau Becki habe er demnach eine "intime Beziehung entwickelt, Jerry genoss es, aus der Ecke des Raums zuzusehen".

Giancarlo Granda: ehemaliger Poolboy und Geschäftspartner Falwells

Giancarlo Granda: ehemaliger Poolboy und Geschäftspartner Falwells

Foto: Jonathan Ernst / REUTERS

Im Folgejahr nach ihrer Bekanntschaft soll Granda Miteigentümer eines Hostels im Feierbezirk Miamis geworden sein, das Mitglieder der Falwell-Familie gekauft hatten. Grund dafür soll gewesen sein, dass Granda dort lebte und das Hostel managen sollte.

Die Investition Falwells in das Hostel hatte schon vor Bekanntwerden der anderen Skandale für Verwunderung gesorgt. In rechtlichen Auseinandersetzungen um den Besitz soll Falwell die Hilfe des Trump-Anwalts Michael Cohen erhalten haben. Dieser soll ihm Eigenangaben zufolge auch geholfen haben, anzügliche "private" Fotos unter Verschluss zu halten. Der Besitzer der Bilder habe sie demnach auf Cohens Einschreiten hin vernichtet.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen Granda und den Falwells seien letztendlich gescheitert, weil er die Bande zu dem Paar habe lösen wollen. Granda sagte, während er damals freiwillig das Verhältnis mit den Falwells eingegangen sei, fühle er sich nun, als sei er von dem Paar ausgenutzt worden. Es sei "Unreife, Naivität oder Instabilität oder eine Kombination von alledem" gewesen, was die Falwells in ihm erkannt hätten und was ihn zu einem Ziel ihrer sexuellen Eskapaden gemacht habe.

Falwell sagte, er nehme psychologische Hilfe in Anspruch, um die Affäre seiner Frau bewältigen zu können. Ihr sei er weiterhin in Liebe ergeben.

Universität mit strengem Kodex - und laxen Waffengesetzen

Die Liberty University wurde von Falwells Vater Jerry Falwell gegründet und schreibt ihren Studenten einen strengen Ehrenkodex vor. "Sexuelle Beziehungen außerhalb einer biblisch-geordneten Ehe zwischen einem natürlich geborenen Mann und einer natürlich geborenen Frau sind nicht gestattet", heißt es darin.

Falwell senior war bis zu seinem Tod 2007 einer der prominentesten Köpfe der religiösen Rechten in den USA und galt als Unterstützer der Präsidenten Ronald Reagan und George W. Bush. Er stellte sich als TV-Prediger gegen Schwangerschaftsabbrüche, Feminismus und Gleichberechtigung sexueller Minderheiten und geißelte die Anschläge vom 11. September 2001 als "Gottes Antwort auf Heiden, Schwule und Lesben". Er hatte die Liberty University 1971 gegründet.

Der nun in Bedrängnis geratene Falwell Jr. hatte 2015 für einen Skandal gesorgt, als er die Studenten dazu aufgerufen hatte, Waffen zu tragen. "Wenn mehr gute Menschen eine versteckte Waffe tragen dürften, könnten wir diese Muslime fertigmachen, bevor sie zur Tür reinlaufen", sagte er damals. Er bezog sich auf einen Anschlag, bei dem ein pakistanischstämmiger US-Bürger 14 Menschen erschossen hatte. Nach einem Amoklauf an einer anderen Hochschule im selben Bundesstaat hatte die Liberty University bereits 2007 ihre Regeln fürs Tragen von Waffen auf dem Campus gelockert.

ire/AP/Reuters
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