Biden spricht nach Wahlsieg "Lasst uns einander eine Chance geben"

In seinem ersten Auftritt nach dem Wahlsieg war Joe Biden um versöhnliche Worte bemüht: Er werde als ein amerikanischer Präsident regieren – und als solcher wolle er "nicht spalten, sondern vereinen".
Joe Biden bei seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg: "Ära der Verteufelung" beenden

Joe Biden bei seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg: "Ära der Verteufelung" beenden

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ANGELA WEISS / AFP

Joe Biden hat sich das erste Mal nach seinem Wahlsieg an die Öffentlichkeit gewandt und den Sieg erklärt. In seiner Heimatstadt Wilmington, Delaware, sagte Biden: "Die Menschen dieser Nation haben entschieden." Es sei ein Sieg der Menschen – mit den meisten Stimmen, die je ein Präsident der Vereinigten Staaten bekommen habe.

Er werde als ein amerikanischer Präsident regieren, sagte Biden, nicht als Demokrat. An Trumps Wähler gerichtet, sagte Biden: "Ich verstehe eure Enttäuschung. Ich habe selbst ein paar Mal verloren, aber lasst uns jetzt gegenseitig eine Chance geben."

Es sei an der Zeit, das Land zu "heilen", die "Ära der Verteufelung" müsse enden. "Wir müssen aufhören, unsere Gegner wie Feinde zu behandeln. Sie sind keine Feinde. Sie sind Amerikaner." Weiter versprach Biden, "ein Präsident zu sein, der nicht spalten, sondern vereinen will".

Die Menschen hätten ihm und Harris das Mandat gegeben, mit Kräften des Anstandes gegen das Coronavirus zu kämpfen und Wohlstand aufzubauen. Auch werden sie den Klimawandel und den strukturellen Rassismus in den USA angehen, sagt Biden.

Zuvor hatte die "Vice President Elected", Kamala Harris, auf der Bühne in Wilmington gesprochen. "Jetzt beginnt die Arbeit, die harte Arbeit, die wichtige Arbeit", sagte sie. Harris sprach ebenfalls das Coronavirus, den strukturellen Rassismus in der Gesellschaft und den Klimawandel an. "Amerika ist bereit", sagte sie. "Und das sind auch Joe und ich."

Nach den Ansprachen von Biden und Harris gab es in Wilmington ein großes Feuerwerk, Konfetti prasselte auf die Kandidaten und ihre Familien nieder. Zahlreiche Menschen waren mit ihren Autos auf einen Parkplatz vor die Bühne gefahren, um trotz der Coronakrise den Wahlsieg zu feiern. So war kein Klatschen der Menschen, sondern ein Hupen der Autos zu hören.

Langes Rennen gegen Trump

Am späten Nachmittag deutscher Zeit war Biden zum Sieger der US-Präsidentschaftswahl erklärt worden. Zuvor hatte sich Biden mit Donald Trump ein langes Rennen bei der Auszählung der Stimmen geliefert. Am Dienstag war der offizielle Wahltag, aufgrund der Corona-Pandemie war aber die Menge der Briefwählerstimmen so groß, dass die Auszählung andauerte.

Nachdem ihn mehrere Medien – später sogar der Trump zugeneigte Sender Fox News – zum Sieger erklärt hatten, meldete sich Biden bei Twitter zu Wort. "Ich fühle mich geehrt, dass ihr mich ausgewählt habt, dieses großartige Land zu führen", schrieb er. "Ich werde ein Präsident aller Amerikaner sein, egal ob Sie für mich gestimmt haben oder nicht."

Zuletzt hatte Biden Medienberichten zufolge auch den hart umkämpften Bundesstaat Pennsylvania gewonnen und damit die Marke von 270 Wahlleuten geknackt. Vorausgegangen war dem Sieg in Pennsylvania eine große Aufholjagd Bidens, am Mittwochmorgen hatte Trump noch mit mehr als 600.000 Stimmen vorn gelegen.

hba/AFP
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