Brief an Joe Biden Prominente Afroamerikaner verlangen schwarze Kandidatin für Vizepräsidentschaft

Noch in dieser Woche könnte US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden seine Stellvertreterin vorstellen. Dutzende Afroamerikaner plädieren nun in einem offenen Brief für eine schwarze Frau.
Präsidentschaftskandidat Biden beim Besuch einer Kirchengemeinde in Delaware im Zuge der Anti-Rassismus-Proteste (Archivfoto)

Präsidentschaftskandidat Biden beim Besuch einer Kirchengemeinde in Delaware im Zuge der Anti-Rassismus-Proteste (Archivfoto)

Foto: JIM WATSON/ AFP

Mehr als hundert bekannte Afroamerikaner haben den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden aufgerufen, eine schwarze Politikerin als Vize-Kandidatin auszuwählen.

"Wenn Sie 2020 keine schwarze Frau aussuchen, werden Sie die Wahl verlieren", schrieben unter anderem der Rapper Sean "Diddy" Combs und der Radiomoderator Charlamagne Tha God. Auch der Menschenrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie des durch Polizeigewalt getöteten George Floyd juristisch vertritt, zählt zu den Unterstützern des Briefs .

"Wir wollen nicht zwischen dem geringeren von zwei Übeln auswählen, und wir wollen nicht die Wahl haben zwischen dem Teufel, den wir kennen, und dem Teufel, den wir nicht kennen, denn wir haben die Nase voll, Teufel zu wählen - Punkt", heißt es in dem Schreiben.

Die Männer solidarisieren sich darin mit mehr als 700 Afroamerikanerinnen, die Biden vergangene Woche aufgerufen hatten, mit einer schwarzen Frau an seiner Seite in den Wahlkampf gegen Präsident Donald Trump zu ziehen.

Biden könnte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP noch in dieser Woche bekannt geben, wer seine Kandidatin für die Vizepräsidentschaft werden soll. Der frühere Vizepräsident hatte schon im März versprochen, auf eine Frau zu setzen. Ende Juli hatte er jedoch bereits eine baldige Entscheidung angekündigt - bislang ohne Ergebnis.

Viel Zeit kann sich der einstige Stellvertreter des ersten schwarzen US-Präsidenten, Barack Obama, allerdings nicht mehr lassen. Die Demokraten beginnen am Montag kommender Woche ihren Nominierungsparteitag in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin. Bis dahin muss die Vize-Kandidatin stehen.

Stimmen von Afroamerikanern sind für Biden essenziell

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai und den folgenden Anti-Rassismus-Protesten wuchs zudem der Druck auf den 77-Jährigen, eine Afroamerikanerin auszuwählen.

Im Kreis der Favoritinnen befinden sich gleich mehrere schwarze Politikerinnen: die Senatorin Kamala Harris, die frühere Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice, die Abgeordneten Karen Bass und Val Demings. Immer wieder fallen - unter anderem - auch die Namen der weißen Politikerinnen Elizabeth Warren und Gretchen Whitmer sowie der in Thailand geborenen Senatorin Tammy Duckworth. (Lesen Sie hier mehr zu Bidens möglichen Partnerinnen.)

Biden genießt bei Afroamerikanern hohes Ansehen, in Umfragen in dieser Wählergruppe liegt er weit vor Trump. Allerdings wird für die Wahl am 3. November für Biden von entscheidender Bedeutung sein, dass er möglichst viele Schwarze für eine Stimmabgabe mobilisieren kann.

Auch mit seinem Wahlprogramm zielt Biden auf Stimmen der oft benachteiligten Schwarzen ab. So will er im Falle eines Wahlsiegs verstärkt gegen die ökonomische Ungleichheit zwischen ethnischen Gruppen vorgehen.

fek/AFP
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