Umwälzungen nach dem Fall Floyd Joe Biden spricht von Wendepunkt in der Geschichte der USA

George Floyd wird in Houston beigesetzt – vorher hat sich Joe Biden mit dessen Familie getroffen. Der Demokrat sieht das Land vor massiven Veränderungen. An die Tochter des Getöteten richtete er bewegende Worte.
Joe Biden (am 25. Mai in seinem Heimatstaat Delaware): "Freiheiten, Bürgerrechte und die gerechte Behandlung von Menschen mit Würde"

Joe Biden (am 25. Mai in seinem Heimatstaat Delaware): "Freiheiten, Bürgerrechte und die gerechte Behandlung von Menschen mit Würde"

Foto: Carlos Barria/ REUTERS

Zwei Wochen ist der Tod von George Floyd her. Zwei Wochen, die die USA erschüttert und verändert haben. Floyd wird am Dienstag in Pearland bei Houston in Texas beigesetzt. Begleitet werden soll die private Zeremonie (ab 18 Uhr MESZ) von einer öffentlichen Gedenkfeier in Houston, wo Floyd aufgewachsen war. 

Nach Ansicht des designierten Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten, Joe Biden, markiert Floyds Tötung einen Wendepunkt in der Geschichte der USA. Der Ex-Vizepräsident hatte am Montag mit seiner Frau Jill in Houston für rund eine Stunde Angehörige Floyds getroffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. Sie hatte kürzlich gesagt, ihr Vater habe die Welt verändert.

"Ich denke, ihr Vater wird die Welt verändern", sagte Biden dem Sender CBS in Anspielung auf Giannas Aussage. "Ich denke, was hier passiert ist, ist einer dieser großen Wendepunkte in der amerikanischen Geschichte, was bürgerliche Freiheiten, Bürgerrechte und die gerechte Behandlung von Menschen mit Würde betrifft."

Biden sprach sich klar gegen die drastische Kürzung der Finanzierung der Polizeibehörden aus - eine Forderung, die bei den Protesten seit Floyds Tod zunehmend Widerhall findet. Vielmehr unterstütze er, Bundesmittel an Bedingungen zu knüpfen, nämlich daran, ob die Polizei "bestimmte grundlegende Standards von Anstand und Ehrenhaftigkeit" erfülle, sagte Biden. Konkreter wurde er nicht. CBS zeigte nur einen Ausschnitt aus dem Interview, das zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt werden soll.

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"Er hörte zu, hörte ihren Schmerz und teilte ihr Leid", sagte Benjamin Crump, der Anwalt der Familie, über Bidens Treffen vor der Beisetzung. "Sein Mitgefühl bedeutete die Welt für diese trauernde Familie." Nach dem Termin postete Crump ein Foto von sich mit Biden, Floyds Onkel Roger, dem Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton und dem Abgeordneten Cedric Richmond auf Twitter. Auf dem Bild tragen alle fünf Mundschutz.

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Biden, der vor mehr als einer Woche erstmals telefonisch mit der Familie in Kontakt stand, hat politische Maßnahmen zur Bekämpfung des "systemischen Rassismus" bei der Strafverfolgung gefordert. Er warf Präsident Donald Trump vor, mit seiner Reaktion auf die Massendemonstrationen das Land zu spalten.

Trump hatte vergangene Woche ebenfalls mit Floyds Familie telefoniert. Floyds Bruder Philonise bezeichnete in einem Interview das Gespräch als "knapp" - Trump hätte ihm keine Gelegenheit gegeben, viel zu sagen.

Reformvorschlag der Demokraten kommt im Weißen Haus nicht gut an

Am Montag erklärte Trump bei einem Runden Tisch der Strafverfolgungsbehörden, dass er Polizeireformen prüfen werde. Biden dürfte am 3. November bei den Präsidentschaftswahlen gegen den Republikaner antreten.

Der 46-jährige Floyd war am 25. Mai gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihn minutenlang mit dem Knie auf dem Hals zu Boden gedrückt hatte. Sein Tod löste in zahlreichen US-Städten und in anderen Ländern - darunter auch Deutschland - Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Mehrere amerikanische Städte haben in der Folge zum Teil tief greifende Reformen angekündigt.

Die Demokraten stellten am Montag im Kongress einen Gesetzentwurf gegen Polizeibrutalität vor. Diesen schmetterte das Weiße Haus wenig später ab und sprach von "Rohrkrepierern" in dem Papier. Allerdings habe der Präsident den Vorschlag noch gar nicht gelesen, musste eine Sprecherin einräumen.

jok/dpa
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