TV-Duell in Washington Biden spricht von "Krieg" gegen Coronavirus - Sanders will Trump den Mund verbieten

Bernie Sanders und Joe Biden begrüßten sich bei ihrem TV-Duell per Ellbogen - danach gab es handfeste Vorwürfe. Vor allem das Krisenmanagement des Präsidenten stand im Fokus.
Joe Biden und Bernie Sanders beim TV-Duell: Begrüßung unter Corona-Vorsichtsmaßnahme

Joe Biden und Bernie Sanders beim TV-Duell: Begrüßung unter Corona-Vorsichtsmaßnahme

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Normalerweise gibt es vor und nach einem TV-Duell der US-Demokraten einen Handschlag der Kontrahenten. Doch in Zeiten von Corona muss auch bei Joe Biden und Bernie Sanders eine Berührung der Ellbogen reichen.

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Das Virus und seine rapide Verbreitung in den USA stand dann auch im Fokus bei dem Streitgespräch der letzten beiden ernstzunehmenden Kandidaten für die Nominierung der demokratischen Partei (Tulsi Gabbard ist zwar auch noch im Rennen, aber ohne realistische Chance).

Biden sieht die Vereinigten Staaten angesichts der Ausbreitung des Virus in einer schweren Krise. "Wir sind im Krieg mit dem Virus", sagte der Ex-US-Vizepräsiden. "Dies ist wie ein Krieg. Das ist, als würden wir aus dem Ausland angegriffen." Die Krise müsse jetzt und hier gelöst werden. Revolutionäre Ideen hälfen nicht weiter, sagte Biden mit Blick auf Sanders' Agenda. Die Menschen wollten sofort Resultate, nicht erst in mehreren Jahren.

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Auch Sanders mahnte mit Blick auf das Coronavirus: "Dies ist eindeutig ein nationaler Notstand." Das Land als Ganzes müsse kraftvoll auf diese Krise reagieren. Man müsse aber auch die Umstände verstehen, die diese Krise verschärften, und darüber reden, wo das Land hinsteuere. Die aktuelle Pandemie offenbare die "unglaubliche Schwäche und Dysfunktionalität" des US-Gesundheitssystems. Das Land gebe deutlich mehr für die Gesundheitsversorgung aus als andere Staaten, und dennoch gebe es nicht genug Ärzte, überhöhte Medikamentenpreise und viele Menschen ohne Krankenversicherung. "Wir sind ganz eindeutig nicht vorbereitet", beklagte er. "Diese Krise macht eine ohnehin schlechte Situation noch schlimmer."

Biden will Frau als Vizepräsidentin

Sanders wurde mit Blick auf die Auftritte des Amtsinhabers im Weißen Haus mehr als deutlich: Trump müsse jetzt sofort "der Mund verboten" werden. Mit seinem "Geplapper" verbreite er falsche Informationen und verunsichere die Bevölkerung. Er untergrabe zugleich die Bemühungen von Ärzten und Wissenschaftlern, den Menschen zu helfen.

Der selbsterklärte demokratische Sozialist wirbt für einen fundamentalen Umbau des US-Gesundheitssystems, Biden dagegen nur für moderate Veränderungen. Sie trafen am Sonntagabend erstmals im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten zu einer Zweier-TV-Debatte aufeinander. Biden versprach in weiteren Verlauf des Gesprächs, dass er im Fall einer Nominierung definitiv mit einer Frau als Vize in den Wahlkampf gegen Trump gehen würde.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus fand die Veranstaltung ohne Studiopublikum statt. Sie wurde außerdem von Phoenix (Arizona) nach Washington verlegt, um unnötige Reisen zu vermeiden.

Noch unklar, wie viele Menschen in den USA wirklich infiziert sind

In den USA wurden bereits mehr als 3200 Infektionen mit dem Coronavirus und 62 Tote gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte allerdings deutlich höher liegen: Bislang fehlt es in dem Land an Tests. Trump hatte am Freitag den nationalen Notstand ausgerufen und will die Zahl der verfügbaren Tests massiv erhöhen.

Das Krisenmanagement des Präsidenten ist zuletzt auch von anderer Seite stark kritisiert worden. Ihm wird vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus lange kleingeredet zu haben. Trump äußerte sich in der Krise zudem wiederholt irreführend und missverständlich.

Biden ist nach einer Reihe von Vorwahl-Erfolgen klarer Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Er hat inzwischen einen deutlichen Vorsprung an Delegierten, die bei einem Parteitag im Juli den Herausforderer Trumps nominieren sollen.

Am kommenden Dienstag kann Biden diesen Vorsprung noch ausbauen: Dann wird - trotz des Coronavirus - in den vier Bundesstaaten Arizona, Florida, Illinois und Ohio gewählt. Umfragen sahen Biden vor der Debatte in allen vier Staaten weit vor Sanders. Verteilt werden am Dienstag insgesamt 577 der 3979 Parteitagsdelegierten.

jok/dpa/Reuters
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