Neuer US-Präsident wird vereidigt Washington rüstet sich für Bidens großen Tag

Die US-Hauptstadt gleicht einer Festung, Zehntausende Sicherheitskräfte sollen die Amtseinführung von Joe Biden schützen. Und Donald Trump? Plant seine eigene Party. Der Überblick.
Sicherheitsvorkehrungen in Washington: Höchste Alarmstufe gilt für die Hauptstadt

Sicherheitsvorkehrungen in Washington: Höchste Alarmstufe gilt für die Hauptstadt

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

Der Countdown für den Regierungswechsel in den USA läuft: Der künftige US-Präsident Joe Biden hat sich am Vortag seiner Amtseinführung auf den Weg in die Hauptstadt Washington gemacht. Dort sind Polizei und Nationalgarde in höchster Alarmbereitschaft.

Der 78-jährige Biden verabschiedete sich in einer emotionalen Rede von den Bewohnern seines Heimatstaats Delaware an der US-Ostküste. Er sei »stolz, ein Sohn Delawares« zu sein, sagte Biden unter Tränen auf einem Stützpunkt der Nationalgarde in New Castle. Er und seine Frau Jill flogen anschließend nach Washington. Dort gedachten sie unter anderem der inzwischen mehr als 400.000 Corona-Toten im Land.

Die Amtseinführung eines US-Präsidenten wird immer von immensen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. In Bidens Fall wurden diese Maßnahmen nach dem Sturm von Donald-Trump-Anhängern auf das Kapitol Anfang Januar noch einmal drastisch verschärft.

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Aus Angst vor neuer Gewalt durch radikale Unterstützer des abgewählten Präsidenten schützen Tausende Polizisten und mehr als 25.000 Nationalgardisten Bidens Vereidigung. Das sind mehr als dreimal so viele Soldaten, wie derzeit in Afghanistan, im Irak, in Syrien und Somalia stationiert sind. Sie unterstützen die Beamten der Kapitolspolizei, des Secret Service, der Hauptstadtpolizei und anderer Behörden.

Nach Informationen des FBI könnten rechtsgerichtete Gruppen planen, die Amtseinführung zu stören und in allen 50 Bundesstaaten Regierungseinrichtungen zu stürmen.

Washington gleicht schon seit Tagen einer Festung : Ein hoher Metallzaun wurde um das Kongressgebäude gezogen, Betonbarrieren blockieren Straßen in der Innenstadt. Der Grünstreifen zwischen Kapitol und Lincoln Memorial, auf dem sich bei Amtseinführungen von Präsidenten früher Hunderttausende Menschen versammelten, ist gesperrt. Eine große Menschenmenge wird in diesem Jahr wegen der Coronakrise ohnehin nicht erwartet.

Das US-Verteidigungsministerium teilte am Vorabend der Vereidigung mit, im Rahmen der Überprüfung der Nationalgardisten auf mögliche Verbindungen zu extremistischen Gruppen seien zwölf Soldaten von der Überwachung der Amtseinführung ausgeschlossen worden. Bei zwei von ihnen sei das wegen »unangebrachter Kommentare oder Texte« geschehen. Bei den anderen zehn gebe es keinen Zusammenhang zu den Abläufen am Kapitol oder der Sorge um Extremismus.

So sieht das offizielle Programm für das Biden-Event aus:

  • Los geht es um 10 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) mit einem Livestream, der speziell an junge Amerikaner adressiert ist. Dabei soll es unter anderem eine Botschaft von der künftigen First Lady Jill Biden geben.

  • Eine Uhrzeit für die Vereidigung und die Ansprache von Joe Biden wurde bisher nicht genannt, sie wird zwischen 11.30 und 12.30 Uhr Ortszeit (17.30 bis 18.30 Uhr MEZ) erwartet.

  • Danach inspiziert Biden als Präsident neben dem Kapitol Einheiten des US-Militärs – und wird einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Nationalfriedhof Arlington niederlegen. Dabei sollen auch die früheren Präsidenten Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton anwesend sein. Anschließend wird er vom US-Militär ins Weiße Haus eskortiert.

  • Zum Abschluss gibt es ab 20.30 Uhr Ortszeit (2.30 Uhr am Donnerstag MEZ) eine rund 90-minütige Feier mit Konzertprogramm, bei dem unter anderem Bruce Springsteen, Justin Timberlake und John Legend für Auftritte zugeschaltet werden. Moderiert wird das Event von Hollywoodstar Tom Hanks.

Trump selbst will, wie nur ganz wenige US-Präsidenten vor ihm , nicht zur Vereidigung seines Nachfolgers kommen; zuletzt war Richard Nixon 1974 der Amtseinführung von Gerald Ford ferngeblieben. Stattdessen plant Trump, am Mittwochmorgen direkt in sein Anwesen Mar-a-Lago in Florida zu fliegen – zum letzten Mal mit der Präsidentenmaschine »Air Force One«. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge organisiert Trump für sich eine militärische Verabschiedung mit vielen geladenen Gästen.

Trump feiert sich selbst in Videobotschaft

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hatte Trump sich noch einmal in einem Abschiedsvideo an die Nation gewandt. Darin konzentrierte er sich vor allem auf Eigenlob und die vermeintlichen Errungenschaften seiner vierjährigen Regierungszeit.

»Die Welt respektiert uns wieder. Bitte verlieren Sie diesen Respekt nicht«, sagte Trump unter anderem. Als Erfolge seiner Amtszeit listete er etwa seine Vermittlungsarbeit im Nahen Osten auf. »Ich bin besonders stolz, dass ich der erste Präsident seit Jahrzehnten bin, der keine neuen Kriege angefangen hat.« Seinen Nachfolger erwähnte der Nochpräsident in der Rede namentlich nicht.

jok/AFP