Russisch-amerikanisches Verhältnis Kreml reagiert mit großer Schärfe auf Bidens »Kriegsverbrecher«-Bezeichnung

US-Präsident Joe Biden bezeichnete Wladimir Putin als »Kriegsverbrecher«. Der Kreml weist die Kritik nun empört zurück – und verweist auf die amerikanische Kriegshistorie.
Präsidialamtssprecher Dmitrij Peskow: Kritik an den USA

Präsidialamtssprecher Dmitrij Peskow: Kritik an den USA

Foto: Evgenia Novozhenina / REUTERS

US-Präsident Joe Biden nannte den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Mittwoch in Bezug auf den Angriff auf die Ukraine erstmals einen »Kriegsverbrecher«, nun hat der Kreml die Kritik erneut scharf zurückgewiesen – und wirft den USA Scheinheiligkeit vor.

Die USA hätten kein Recht, Russland zu belehren, nachdem sie selbst in so viele Konflikte verwickelt gewesen seien, sagte Präsidialamtssprecher Dmitrij Peskow. Solche Worte kämen von dem Präsidenten eines Landes, »das seit Jahren Menschen auf der ganzen Welt bombardiert« und eine Atombombe auf ein Land abgeworfen habe, das bereits besiegt gewesen sei. »Ich spreche von Hiroshima und Nagasaki«, sagte Peskow. Die USA hatten im August 1945 jeweils eine Atombombe auf die beiden japanischen Städte abgeworfen.

»Ich denke, er ist ein Kriegsverbrecher«

Joe Biden hatte auf Nachfrage einer Journalistin im Weißen Haus in Bezug auf Putin gesagt: »Ich denke, er ist ein Kriegsverbrecher.« US-Regierungsvertreter hatten es bis dahin vermieden, von russischen »Kriegsverbrechen« in der Ukraine zu sprechen und Putin öffentlich einen »Kriegsverbrecher« zu nennen.

Präsidialamtssprecher Peskow sagte nun, Bidens Rhetorik sei »inakzeptabel und unverzeihlich«. Putin sei »eine sehr weise, weitsichtige und kultivierte internationale Persönlichkeit.«

Russland gibt vor, in der Ukraine ausschließlich militärische Ziele zu bombardieren und Präzisionswaffen einzusetzen. Doch viele der Bilder und Videos im Internet straften die Behauptungen des Kremls schon in den ersten Kriegstagen Lügen. Inzwischen haben unter anderem der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag und die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Ermittlungen wegen russischer Kriegsverbrechen aufgenommen.

Eine SPIEGEL-Recherche  dokumentiert Beispiele möglicher russischer Kriegsverbrechen.

ptz/Reuters/dpa
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