Empörung nach CNN-Interview Trumps Sicherheitsberater Bolton gibt zu, Umstürze in anderen Ländern geplant zu haben

Eigentlich wollte John Bolton dem Ex-US-Präsidenten attestieren, dass der Sturm aufs Kapitol kein geplanter Coup war. Dabei verplapperte sich der frühere Trump-Berater allerdings – der Aufschrei ist groß.
Der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton

Der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton

Foto: Joshua Roberts / REUTERS

Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton hat zugegeben, beim Vorbereiten von Regierungsumstürzen mitgewirkt zu haben. Es sei »eine Menge Arbeit«, einen Putsch zu organisieren, sagte Bolton im US-Sender CNN, und er sage das »als jemand, der geholfen hat, Coup d'Etats zu planen, nicht hier, aber an anderen Orten«.

Mit der Antwort hatte Bolton auf die Frage reagiert, ob der ehemalige US-Präsident Donald Trump den Sturm auf das US-Kapitol vorbereitet hatte. Bolton, der als Sicherheitsberater unter Trump im Weißen Haus diente, verneinte. Trump habe zwar zweifellos »die Aufrührer am Kapitol entfesselt«. Es habe sich allerdings nicht um einen von langer Hand geplanten Coup gehandelt. Dazu sei Trump nicht in der Lage, er agiere impulsiver und sei lediglich »von einer Idee zur nächsten gestolpert«.

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Hunderte radikale Trump-Anhänger hatten am 6. Januar 2021 das Kapitol erstürmt, als dort der Sieg des Trumps-Herausforderers Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 bestätigt werden sollte. Unter den Angreifern waren auch Mitglieder der rechtsextremen Gruppierungen »Oath Keepers« und »Proud Boys«.

Die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie. Derzeit soll ein Untersuchungsausschuss in öffentlichen Anhörungen klären, wie viel Verantwortung Trump für die damaligen Vorgänge trägt.

Mitmischen in Venezuela

Bolton war einst ein Vertrauter Trumps, zwischen den beiden kam es jedoch später zum Bruch. Seit seinem Rauswurf aus dem Weißen Haus 2019 fiel der frühere Sicherheitsberater mit kritischen Äußerungen über Trump auf. Im Vorfeld der Präsidentenwahl 2020 warnte er auch vor einer zweiten Amtszeit des Republikaners.

Im CNN-Interview weiter zu seiner Coup-Erfahrung befragt, reagierte Bolton ausweichend. Er werde nicht ins Detail gehen, sagte der Sicherheitsberater, führte dann aber den gescheiterten Regierungswechsel in Venezuela an. »Das stellte sich als nicht erfolgreich heraus.«

2019 hatte Bolton die venezolanische Gegenregierung von Juan Guaidó öffentlich unterstützt. Guaidó hatte mithilfe von Söldnern versucht, das Regime von Nicolás Maduro zu stürzen – scheiterte aber. Bolton sagte nun, man habe »nicht sehr viel damit zu tun« gehabt.

Die Aussagen Boltons werden nun in den USA und international heiß diskutiert. Unterstützende wiegeln die Schärfe der Behauptung ab, Bolton habe beispielhaft gesprochen – Kritikerinnen und Kritiker sehen hingegen einen Beweis für die lange vermutete Einmischung von US-Geheimdiensten in fremde Regierungen.

Der 2019 geschasste Ex-Präsident von Bolivien, Evo Morales, twitterte, die Aussage zeige, dass die USA »der schlimmste Feind der Demokratie« seien. Marija Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, forderte nach Ausstrahlung des CNN-Interviews eine internationale Untersuchung. Es sei wichtig zu erfahren, in welchen anderen Ländern die USA Umstürze geplant hätten, sagte Sacharowa Radio Sputnik. Auch der Sprecher des chinesischen Außenministeriums kritisierte Bolton. Die Aussagen seien »keine Überraschung« und bestätigten »ziemlich genau das US-Regelwerk«.

mrc
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