Zu Ehren von John Lewis Flaggen in Atlanta sollen auf unbestimmte Zeit auf Halbmast wehen

"Einer der mutigsten Menschen": Die USA trauern um John Lewis. Der Kongressabgeordnete, der gemeinsam mit Martin Luther King Jr. die Bürgerrechtsbewegung prägte, starb mit 80 Jahren. Atlanta würdigt ihn auf besondere Weise.
John Lewis: Bürgerrechtsikone und Politiker der Demokraten

John Lewis: Bürgerrechtsikone und Politiker der Demokraten

Foto: Christopher Aluka Berry/ REUTERS

Atlanta trauert um den verstorbenen US-Bürgerrechtler John Lewis. Bürgermeisterin Keisha Lance Bottoms ordnete an, die Flaggen in der Stadt bis auf Weiteres auf Halbmast zu senken. Der Demokrat Lewis hatte den 5. Distrikt von Georgia, zu dem große Teile der Stadt Atlanta gehören, mehr als 30 Jahre im Kongress vertreten.

Worte könnten den Verlust von Lewis nicht beschreiben, hieß es in der Erklärung Bottoms . Sie würdigte ihn als einen Politiker, der sich um die Bevölkerung kümmerte: "Die Menschen in Atlanta haben den Kongressabgeordneten Lewis oft um Rat, Unterstützung und Hilfe gebeten", schrieb sie. "Egal wie voll sein Zeitplan war oder wie wichtig seine Pflichten in Washington waren, er antwortete."

Protestmärsche mit Martin Luther King

Auch Arthur Blank, der Besitzer des Football-Teams Atlanta Falcons, äußerte sich zum Tod von Lewis: "John riskierte sein Leben, um die legale Rassentrennung zu beenden und Amerika zu einem besseren Ort für uns und künftige Generationen zu machen", sagte der 77-Jährige. "Das ist das bleibende Vermächtnis eines der mutigsten Menschen, denen ich je begegnet bin."

Barack Obama, einziger schwarzer Präsident in der Geschichte des Landes, erinnerte in seinem Nachruf daran, wie sehr Lewis sein eigenes Leben geprägt habe. Schon bei der ersten Begegnung als Student habe er ihn "seinen Helden" genannt. 

Lewis war 1963 Redner beim legendären Marsch auf Washington, bei dem Martin Luther King Jr. seine weltberühmte "I have a Dream"-Rede hielt. Zusammen mit King organisierte er die Protestmärsche von Selma nach Montgomery, die den politischen Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung markierten.

Am Tag des ersten Marsches im März 1965, der als "Bloody Sunday" in die Geschichte einging, wurde Lewis von der Polizei an einer Brücke brutal niedergeknüppelt und erlitt einen Schädelbruch. "Ich dachte, ich würde sterben", erinnerte sich Lewis später oft. Inzwischen gibt es eine Petition, die Brücke nach ihm zu benennen.

Blank wies außerdem darauf hin, dass die Stadt auch eine weitere Bürgerrechtsikone verloren habe: Cordy Tindell Vivian, ein Freund und Unterstützer Martin Luther Kings, starb ebenfalls am Freitag. Er wurde 95 Jahre alt. Lewis war am Freitag nach schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben.

Georgias republikanischer Gouverneur Brian Kemp bezeichnete Lewis in einem Statement als "amerikanischen Helden, Bürgerrechtsikone, Freiheitskämpfer und geliebten Menschen aus Georgia". Er ordnete an, die Flaggen an staatlichen Gebäuden bis zum Tag der Beerdigung von Lewis auf Halbmast zu hissen.

Kritiker des US-Präsidenten

Kemp muss nun eine Sonderwahl ansetzen, um in der laufenden Amtszeit den Platz von Lewis im Kongress auszufüllen. Unabhängig davon können die Demokraten einen Ersatzkandidaten benennen, um Lewis' Platz bei der Wahl im November zu besetzen, da er bereits die Kandidatur für eine weitere Amtszeit gewonnen hatte.

Donald Trump hatte sich in einem knappen Tweet zum Tod von Lewis geäußert und ebenfalls das Herabsetzen der Flaggen auf Halbmast angekündigt - allerdings nur für den Rest des Samstags. Lewis war ein vehementer Kritiker des US-Präsidenten.

bbr/AP/dpa