Streit über Innenministerin Johnsons Berater kündigt Job nach Untersuchung zu Mobbingvorwürfen

Die britische Innenministerin Priti Patel soll Mitarbeiter gemobbt haben. Zu diesem Schluss kommt die Untersuchung eines Beraters von Boris Johnson. Dieser hält an der Ministerin fest, sein Berater zog nun Konsequenzen.
Priti Patel: »Es war nie meine Absicht, jemanden zu verärgern.«

Priti Patel: »Es war nie meine Absicht, jemanden zu verärgern.«

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Alastair Grant/ AP

Im Streit über Mobbingvorwürfe gegen die britische Innenministerin Priti Patel ist ein unabhängiger Berater von Premier Boris Johnson zurückgetreten. Patel war Fehlverhalten – von Anschreien bis hin zu gezielten Intrigen – vorgeworfen worden. Die Fälle waren vom Berater Alex Allan, der für Vorschriften zuständig ist, untersucht und größtenteils bestätigt worden. Johnson gab am Freitag trotzdem der Ministerin Rückendeckung: Sie habe nicht gegen Regeln in ihrem Amt verstoßen. Allan quittierte daraufhin sofort seinen Job.

Der Berater war in seinem Untersuchungsbericht zu dem Schluss gekommen, dass die Brexit-Hardlinerin nicht konsequent die hohen Standards erfüllt habe, »ihre Beamten mit Rücksicht und Respekt zu behandeln«. Zu ihrem Verhalten gehörten Schreien und Fluchen. Man könne ihr Verhalten als Mobbing bezeichnen, so Allan weiter. Sie habe – möglicherweise unabsichtlich – gegen den Ministerialkodex verstoßen. Normalerweise ist in solchen Fällen ein Rücktritt die Folge.

»Es war nie meine Absicht, jemanden zu verärgern«

Johnson teilte jedoch mit, er habe »volles Vertrauen« in Patel und betrachte die Angelegenheit nun als abgeschlossen. Patel erklärte: »Es war nie meine Absicht, jemanden zu verärgern.« Sie könne aber direkt sein, räumte sie ein. Die 48 Jahre alte Politikerin war mit leitenden Beamten in drei Ministerien aneinandergeraten. Im März war die Untersuchung der Vorfälle eingeleitet worden.

Bereits im Februar war ein Spitzenbeamter im Innenministerium, Philip Rutnam, aus Protest gegen Patels Verhalten zurückgetreten. Er warf ihr eine »bösartige und gesteuerte« Kampagne gegen ihn vor. Patel hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihr nahe stehende Mitarbeiter beschrieben sie als »fordernde« Chefin, sie sei aber keine Tyrannin. Auch während ihrer Zeit als Entwicklungshilfeministerin und als Staatssekretärin im Arbeitsministerium gab es Mobbingvorwürfe.

Patel war bereits bei der früheren Regierungschefin Theresa May in Ungnade gefallen. Die Politikerin musste 2017 als Entwicklungshilfeministerin zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass sie sich ohne Absprache im Israel-Urlaub mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu getroffen hatte. Patel, die dem rechten Tory-Flügel zugerechnet wird, hatte sich früher sogar für die Todesstrafe ausgesprochen, sich aber später davon distanziert.

mfh/dpa
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