Inhaftierter WikiLeaks-Gründer Prozess um Assanges Auslieferung geht in nächste Runde

Anfang Januar lehnte ein britisches Gericht die Auslieferung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange an die USA ab. Nun kommt es zum Berufungsverfahren – und auf einen wichtigen Zeugen muss die Anklage künftig wohl verzichten.
Maske von Julian Assange bei einer Protestveranstaltung zur Freilassung des WikiLeaks-Gründers in Berlin Anfang Juli

Maske von Julian Assange bei einer Protestveranstaltung zur Freilassung des WikiLeaks-Gründers in Berlin Anfang Juli

Foto: Fabian Sommer / dpa

Eine Auslieferung Julian Assanges an die USA ist weiter möglich. Wie Assanges Enthüllungsplattform WikiLeaks auf Twitter mitteilte, hat ein britisches Gericht einen Berufungsantrag gegen die erstinstanzliche Entscheidung eines Londoner Gerichts zugelassen.

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Die Ablehnung der Auslieferung war mit dem psychischen Gesundheitszustand Assanges und den Haftbedingungen begründet worden, die den 50-Jährigen womöglich in den USA erwarten würden. Dem Whistleblower und Wikileaks-Gründer drohen dort bis zu 175 Jahre Gefängnis.

WikiLeaks hatte 2010 und 2011 Hunderttausende geheime Papiere vor allem zum US-Einsatz im Irakkrieg ins Internet gestellt. Damit habe Assange das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht, so der Vorwurf. Seine Unterstützer sehen in ihm hingegen einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat.

Sieben Jahre in ecuadorianischer Botschaft

Um einer Auslieferung zu entgehen, war Assange in die Botschaft Ecuadors in Großbritannien geflüchtet und hatte dort sieben Jahre gelebt, bevor ihm 2019 dort das Asyl entzogen wurde. Er wurde festgenommen und kam in ein Londoner Hochsicherheitsgefängnis, in dem er weiterhin einsitzt. Einen Antrag auf Freilassung auf Kaution lehnte ein britisches Gericht kurz nach der Ablehnung seiner Auslieferung ab.

Die isländische Zeitung »Stundin « hatte zuletzt berichtet, dass einer der Hauptzeugen des US-Justizministeriums gestanden habe, sich zentrale Anschuldigungen gegen Assange ausgedacht zu haben. Sigurdur Ingi Thordason hatte sich gegenüber den US-Behörden demnach fälschlicherweise als enger Vertrauter Assanges ausgegeben und hatte angegeben, von Assange mit Hackerangriffen auf isländische Politiker beauftragt worden zu sein.

»Die neuen Enthüllungen rund um den Hauptzeugen des Justizministeriums bestätigen, was wir alle wissen: Dass der Prozess gegen Assange auf Lügen aufgebaut ist«, wurde Assanges Partnerin Stella Moris von WikiLeaks zitiert.

Weltweit gibt es seit Jahren Proteste für die Freilassung Assanges. Anfang Juli hatte es auch in Deutschland wieder eine bundesweite Aktion unter dem Motto »Journalismus ist kein Verbrechen – Freiheit für Julian Assange« gegeben. Kundgebungen gab es etwa vor der US-Botschaft in Berlin, in Frankfurt am Main, Hamburg, München und Leipzig. Im Bundestag fordern Politikerinnen und Politiker in der Arbeitsgemeinschaft »Freiheit für Julian Assange« parteiübergreifend die Freilassung des WikiLeaks-Gründers.

fek
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