Prozess zum Tod von George Floyd Jury erklärt Ex-Polizist Derek Chauvin für schuldig

Die Geschworenen im Fall George Floyd haben entschieden: Ex-Polizist Derek Chauvin wurde wegen der Tötung des Afroamerikaners in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Der Anwalt der Familie zeigte sich erleichtert.
Ex-Polizist Derek Chauvin während der Urteilsverkündung in Minneapolis

Ex-Polizist Derek Chauvin während der Urteilsverkündung in Minneapolis

Foto: - / AFP

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen den Angeklagten für schuldig befunden. Das Gericht in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota verurteilte den Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten. Chauvin war wegen Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades angeklagt. Die Tatbestände entsprechen im deutschen Strafrecht etwa der Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise der fahrlässigen Tötung.

Damit droht Chauvin eine lange Freiheitsstrafe. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen vom Richter festgelegt werden. Chauvins Verteidigung könnte noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

Floyd war 25. Mai bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben gekommen. Der Vorfall hatte zum Teil gewaltsame Proteste in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Auch in anderen Ländern kam es zu Demonstrationen. Die Erwartungen an das Verfahren waren daher immens: Viele Menschen, darunter viele Schwarze, hatten auf ein Urteil gehofft, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzen würde. Selbst US-Präsident Joe Biden sagte am Dienstag, er bete dafür, dass das »richtige Urteil« gefällt werde. Für den Fall eines Freispruchs oder einer geringen Freiheitsstrafe wurde mit neuen Protesten gerechnet.

Demonstrierende in Minneapolis fordern Gerechtigkeit für George Floyd

Demonstrierende in Minneapolis fordern Gerechtigkeit für George Floyd

Foto: OCTAVIO JONES / REUTERS

Der Anwalt der Familie Floyd hat den Schuldspruch gegen Chauvin als »Wendepunkt in der Geschichte« bezeichnet. »SCHULDIG!«, schrieb Ben Crump am Dienstag auf Twitter. »Endlich ist schmerzlich verdiente Gerechtigkeit für George Floyds Familie eingetreten. Dieses Urteil ist ein Wendepunkt in der Geschichte.« Es sende eine klare Botschaft, dass auch die Strafverfolgung zur Rechenschaft verpflichtet sei. Crump schrieb weiter: »Gerechtigkeit für das schwarze Amerika ist Gerechtigkeit für ganz Amerika!« Mit dem Urteil sei es aber nicht getan – es müsse nun eine Polizeireform geben.

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Nach dem Schuldspruch wurde der Ex-Polizist in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt. Chauvin werde in Gewahrsam des Bezirks-Sheriffs genommen, sagte Richter Peter Cahill. Zuvor befand sich Chauvin gegen Kaution auf freiem Fuß. Cahill widerrief die Kaution nach dem Schuldspruch auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert.

Die Entscheidung über Schuld oder Unschuld fiel dem US-Rechtssystem folgend den Geschworenen zu. Für die seit Montagnachmittag andauernden Beratungen der zwölf Jurymitglieder gab es keine Zeitvorgabe. Sie durften während der Unterredungen aber nicht mehr nach Hause, sondern waren in einem Hotel untergebracht. Ihr Urteil musste einstimmig getroffen werden. Die Geschworenen bleiben in diesem Fall aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres anonym.

kim/mrc/dpa/Reuters
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