Britisch-kenianische Agrarfirma vor Gericht »An euren Avocados klebt unser Blut«

Es geht um Vergewaltigungen und Totschlag: Dem Kakuzi-Konzern werden schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Nun haben sich vor allem weibliche Betroffene gewehrt – und erhalten Millionen. Wie kam es dazu?
Von Heiner Hoffmann, Nairobi
Eine Mutter weint um ihren Sohn, der von Mitarbeitern des Kakuzi-Agrarkonzerns totgeprügelt worden sein soll

Eine Mutter weint um ihren Sohn, der von Mitarbeitern des Kakuzi-Agrarkonzerns totgeprügelt worden sein soll

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

Globale Gesellschaft

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Die Avocados wachsen hoch, zu hoch. Ein Werkzeug soll helfen, eine Art Greifer. Doch das dauert zu lange. Das tägliche Soll ist so nicht zu schaffen. Also klettern die Erntehelferinnen mehrere Meter die glatten Baumstämme hinauf, ohne Hilfsmittel.

So hat es auch Victoria* gemacht, immer und immer wieder. Bis es einmal schiefging.

Sie ist fast bei den Avocados angekommen, will ihre Hand ausstrecken. Doch dann verliert sie den Halt, stürzt zu Boden. Mit dem Kopf voran. Ab diesem Moment hat sie keine Erinnerung mehr. Tage später kommt sie in einem Krankenhaus zu sich. Diagnose: Genickbruch.

Avocadobaum in Kenia: Die Früchte hängen oft mehrere Meter hoch

Avocadobaum in Kenia: Die Früchte hängen oft mehrere Meter hoch

Foto: Andrea Kuenzig / laif

Noch heute, mehrere Jahre später, ist ihr Gesicht schmerzverzerrt. Ständig wird sie von schweren Kopfschmerzen geplagt.

»Nach meinem Krankenhausaufenthalt wollte ich gleich weiterarbeiten, zumindest leichte Aufgaben erledigen«, erzählt Victoria. Doch das Tor zur Kakuzi-Farm wird nicht für sie geöffnet. »Sie haben mir nur gesagt: Wir wollen dich hier nie wieder sehen.« Angeblich habe sie am Krankenbett einen Umschlag mit einer Abfindung erhalten, deren Erhalt sogar unterschrieben. Daran erinnern kann sich Victoria nicht, sie war kaum bei Bewusstsein. Was mit dem Geld passiert ist – sie wüsste es selbst gern.

Noch immer kommen Victoria die Tränen, wenn sie an ihren Sturz denkt. Denn mit ihrem Genick ist auch ihr Leben zerbrochen: Sie hat bleibende Hirnschäden erlitten, ist arbeitslos, kann die Schulgebühren für ihre Kinder nicht zahlen. Einen neuen Job findet sie nicht mehr. »Kakuzi hat mein Leben ruiniert«, sagt sie.

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

So die Schilderungen der Betroffenen. Nach der Veröffentlichung ergänzte Kakuzi, dass die ihnen bekannte Version der Ereignisse rund um den Sturz einer Mitarbeiterin eine andere sei: Die Betroffene sei beim Eintreffen ins Krankenhaus nicht bewusstlos gewesen, am Krankenbett sei keine Abfindung ausgezahlt worden. Stattdessen sei eine Entschädigung, wie rechtlich vorgesehen, an ihre Anwältin ausgezahlt worden. Der Fall sei vor Gericht verhandelt worden.

Ihr Hals sei zudem nicht gebrochen gewesen, eine dauerhafte Hirnschädigung liege nicht vor. Auch habe die Betroffene nach dem Unfall noch weiter gearbeitet, so das Unternehmen. Dem SPIEGEL liegen jedoch medizinische Unterlagen vor, die den Bruch eines Wirbelknochens im Halsbereich belegen. Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass der Unfall vor etwa fünf Jahren stattgefunden hat.

Viele aktuelle sowie ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schildern jedoch ähnliche Fälle. Dem britisch-kenianischen Agrarriesen Kakuzi werden seit Jahren schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Vergewaltigung, Körperverletzung, Totschlag; mehrfach thematisiert in kenianischen und internationalen Medien – bislang ohne Konsequenzen.

»Kakuzi-Land«, so weit das Auge reicht: Mehr als hundert Quadratkilometer fruchtbares Land bewirtschaftet der Agrarkonzern nördlich der Hauptstadt Nairobi

»Kakuzi-Land«, so weit das Auge reicht: Mehr als hundert Quadratkilometer fruchtbares Land bewirtschaftet der Agrarkonzern nördlich der Hauptstadt Nairobi

Foto: Heiner Hoffmann / DER SPIEGEL

Das ändert sich jetzt: Einige unerschrockene Betroffene haben den Hauptanteilseigner des Konzerns in Großbritannien vor Gericht gebracht. Getragen wird der Widerstand vor allem von Frauen aus der Region. Mit Erfolg: Das Unternehmen hat sich vor wenigen Wochen zur Zahlung einer Millionensumme verpflichtet. Wie kam es dazu?

Ungefähr eineinhalb Autostunden nördlich von Kenias Hauptstadt Nairobi ist der Name Kakuzi allgegenwärtig. Über mehr als hundert Quadratkilometer erstreckt sich das fruchtbare Farmland des Konzerns, bepflanzt mit Avocadobäumen, Macadamianüssen und Nutzholz. Zwischendrin riesige Viehherden. Man kann hier mehr als eine Stunde mit dem Auto fahren, ohne je »Kakuzi-Land« zu verlassen, wie es die Einheimischen nennen. Keine Familie, in der nicht mindestens eine Person bei Kakuzi arbeitet.

Der Konzern ist das, was man in Afrika koloniales Erbe nennt. Gegründet Anfang des 20. Jahrhunderts von weißen Siedlern, mehrheitlich noch immer in britischer Hand. Die Nachfrage vor allem nach der »Superfrucht« Avocado explodiert seit Jahren, eigentlich hervorragende Zeiten für einen Agrarkonzern. Wäre da nicht Mariam Wanja.

Mariam Wanja hat die Betroffenen zusammengebracht, um sich gegen den Konzernriesen Kakuzi zu verbünden

Mariam Wanja hat die Betroffenen zusammengebracht, um sich gegen den Konzernriesen Kakuzi zu verbünden

Foto: Heiner Hoffmann / DER SPIEGEL

»Die Firma hat nur Leid über dieses Land gebracht, so viele Arbeiterinnen sind verunglückt«, erzählt sie. Wanja hat selbst auf den Feldern für Kakuzi gearbeitet, so wie bereits ihre Mutter und die Mutter ihrer Mutter. Doch ihren eigenen Kindern will sie das nicht mehr zumuten. Sie ist zu einer der Anführerinnen des lokalen Widerstands gegen den Konzernriesen geworden.

Mariam Wanja, 68, und ihre Mitstreiterinnen haben etwas erreicht, was bislang undenkbar war: Sie haben die Vorwürfe vor ein Gericht gebracht. Nicht in Kenia, wo das Unternehmen Einfluss bis in höchste politische Kreise hat. Sondern in Großbritannien, wo der Hauptanteilseigner Camellia PLC seinen Sitz hat. Der Vorwurf: Fahrlässigkeit – denn Camellia habe seit Langem von mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen der kenianischen Konzerntochter Kakuzi gewusst. Ohne zu handeln.

»Jetzt kommen die Kerle zu mir und bitten selbst um Hilfe.«

Mariam Wanja, Organisatorin des Widerstands gegen Kakuzi

Und Mitte Februar konnte Mariam Wanja den Betroffenen gute Nachrichten verkünden: Camellia hat sich verpflichtet, 4,6 Millionen britische Pfund Entschädigung an die knapp 80 kenianischen Opfer zu zahlen. »Ohne Anerkennung von Schuld«, wie der Konzern betont. Ein Urteil wollte Camellia offenbar nicht abwarten, hat sich stattdessen außergerichtlich mit den Betroffenen geeinigt.

»Unser Kampf hat den Blick auf die Frauen hier in der Gegend verändert. Am Anfang haben mir die Männer gesagt: Ihr macht alle nur ganz wirr. Jetzt kommen die Kerle zu mir und bitten selbst um Hilfe«, erzählt Wanja.

Direkt hinter dem Dorf beginnt Kakuzi-Land, die Bewohner leben hier als illegale Besetzer. Vom Land ihrer Vorfahren wurden sie vertrieben.

Direkt hinter dem Dorf beginnt Kakuzi-Land, die Bewohner leben hier als illegale Besetzer. Vom Land ihrer Vorfahren wurden sie vertrieben.

Foto: Heiner Hoffmann / DER SPIEGEL

An einem geheimen Ort, verborgen vor den Augen des Kakuzi-Sicherheitspersonals, treffen wir »AAA & Others«. So heißt die Gruppe der Betroffenen auf Juristen-Englisch, denn ihre Identität blieb auch während des Verfahrens in Großbritannien geheim. Zu groß war die Sorge vor Racheakten oder Zeugenbeeinflussung durch den Agrarriesen.

Die Gerichtsunterlagen, die dem SPIEGEL vorliegen, listen schwerste mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen auf: Vergewaltigung, Körperverletzung, sogar Totschlag. Sieht man die Tränen in den Augen von »AAA & Others«, hört man ihre brüchigen Stimmen, wird das Ausmaß der Vorwürfe greifbar.

Wir geben den Frauen einen Namen, auch wenn es nicht ihr echter ist. Wir geben ihnen ein Bild, auch wenn es nur gezeichnet ist.

Muthoni

»Ich habe drei Tage lang nicht geduscht«, daran erinnert sich Muthoni* genau. Denn sie wollte Beweise sichern, so nennt sie es. Beweise in Form von Sperma in ihrem Körper. Muthoni sei von einem Kakuzi-Wachmann vergewaltigt worden, erzählt sie.

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

»Ich wollte Brennholz im Wald auf dem Kakuzi-Gebiet sammeln, da hielt er mich an. Er versperrte mir den Weg, sagte noch: ›Willst du hier klauen? Heute wirst du sehen, was mit Frauen wie dir passiert.‹« Jetzt ist Muthoni HIV-positiv.

Doch für ihre Beweise hat sich die Polizei nie interessiert. Drei Tage in Folge sei sie abgewiesen worden. »Also habe ich es sein lassen. Kakuzi ist hier sehr mächtig«, sagt Muthoni. Umso zufriedener ist sie mit dem Ausgang des Verfahrens in England. Sie nennt es »ein Stück Gerechtigkeit«. »Plötzlich haben wir eine Stimme. Ich bin kein Einzelfall. So viele hier reden nie über sexuelle Gewalt, aus Scham oder aus Angst. Ich will auch für sie den Mund aufmachen.«

Grace

Grace* wollte auf dem Kakuzi-Land Blätter sammeln, für traditionelle Medizin. Da sei plötzlich ein Wachmann aufgetaucht, in Kakuzi-Uniform und mit Maske über dem Gesicht. Er habe sie fest an beiden Händen gepackt, als Diebin beschimpft. Er werde die Polizei rufen, wenn sie ihm nicht »zur Verfügung stehe«, schildert Grace die Situation. Er habe versucht, ihr den Rock zu zerreißen. »Ich habe ihm fest in die Eier getreten, mich losgerissen«, erinnert sie sich. Sie ist davongekommen.

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

Über Wochen konnte Grace danach ihre Hände nicht mehr bewegen. »Der Täter hat sie so sehr verdreht, der Schmerz war unerträglich. Ich habe dann mit dem Mund gekocht, den Kochlöffel zwischen den Zähnen.« Auch psychisch trägt Grace Narben: Seit dem Tag im Wald hält sie sich von Menschen fern, hat Angststörungen.

Das Gerichtsverfahren in Großbritannien hat ihr wieder Mut gegeben: »Ich werde mir von dem Geld Nutztiere kaufen, mein eigenes Business aufbauen.« Vor allem aber habe sie ihre Geschichte endlich erzählen können, wenn auch anonym. Der Konzern konnte sie nicht mehr ignorieren. »Jetzt haben die Sicherheitsleute Angst vor uns. Denn alle Frauen wissen nun, dass sie solche Fälle melden können. Wenn wir zusammenstehen, sind wir stärker als die.«

Caroline

Im Leichenschauhaus wurde Caroline* zum ersten Mal klar: Ihr Sohn ist tot. Auch wenn die Leiche, die da vor ihr auf der Bahre lag, kaum noch an ihn erinnerte. Der Kopf entstellt, der Körper voller Wunden. »Er war mein Erstgeborener, ein wundervoller Sohn, ein Freigeist«, erinnert sich Caroline. Und sie erhebt schwere Vorwürfe: Kakuzi-Mitarbeiter hätten ihn totgeprügelt.

Illustration: Matthias Schardt / kombinatrotweiss / DER SPIEGEL

Der Endzwanziger habe Feuerholz sammeln wollen, auf Kakuzi-Land. »Normalerweise zahlt man den Sicherheitsleuten eine Kleinigkeit, besticht sie. Dann lassen sie einen passieren. Doch an manchen Tagen sind es zu viele, um allen etwas zu geben«, berichtet Caroline. Also seien ihr Sohn und seine zwei Begleiter angehalten worden – als mutmaßliche Avocadodiebe.

Gewaltsamer Tod – so steht es im beauftragten Autopsiebericht. Die zwei Begleiter des jungen Mannes hatten Glück, sie waren schneller. Und konnten so den Eltern immerhin von der mutmaßlichen Tat berichten. Carolines Sohn wurde zu einem zentralen Fall im Verfahren vor dem britischen High Court of Justice. »Das Geld bringt mir meinen Sohn nicht zurück. Aber ich konnte dazu beitragen, dass hoffentlich keine andere Mutter diesen Schmerz je wieder fühlen muss.«

Muthoni, Grace, Caroline. Sie sind drei Betroffene von insgesamt 79, die Kakuzi wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gebracht haben. Zusammengeführt von Mariam Wanja, unterstützt von den Menschenrechtsorganisationen Ndula Resource Center, Kenya Human Rights Commission und SOMO.

Die Vertreibung

Es sind nur die jüngsten Vorwürfe, die in England verhandelt wurden. Das allumfassende, strukturelle Problem dahinter bleibt ungelöst: Vertreibung. Denn dort, wo heute Kakuzi Avocados anbaut, wo die Einheimischen heimlich Holz und Blätter sammeln, da standen früher Häuser und Hütten. In der fruchtbaren Ebene im Norden Nairobis lebten die Menschen bis zur Kolonialzeit gut von Subsistenzwirtschaft und Viehzucht. Bis die weißen Siedler kamen.

Loisa Syokau und Kamande Muchema haben die Vertreibungen selbst erlebt

Loisa Syokau und Kamande Muchema haben die Vertreibungen selbst erlebt

Foto: Heiner Hoffmann / DER SPIEGEL

Loisa Syokau ist etwa 80 Jahre alt, so genau weiß sie es selbst nicht. Die Wochen, als die Kolonialherren plötzlich in ihr Dorf einfielen, sind ihr hingegen noch sehr präsent. »Erst hieß es, niemand darf mehr als fünf Tiere besitzen. Den Rest haben sie uns weggenommen.« In den Vierzigerjahren sei das gewesen. »Von Woche zu Woche wurde es immer schlimmer. Schließlich haben sie angefangen, unsere Hütten abzubrennen.« Neben ihr sitzt Kamande Muchema, er bestätigt ihre Erzählungen.

Die Dorfbewohner ergriffen schließlich die Flucht, hinauf zu den kargen Hügeln über »Kakuzi-Land«. Von hier aus blicken sie hinab auf ihre frühere Heimat, über ihnen eine Starkstromleitung, die kontinuierlich summt. Bis heute leben sie hier als geduldete Besetzer auf Land, das der Regierung gehört. Eine Entschädigung oder gar neues Land haben sie nie bekommen.

Ein Mitarbeiter des Ndula Ressource Center (l.) und ein Bewohner der Kakuzi Hills schauen auf das fruchtbare Land, aus dem die Menschen vertrieben wurden

Ein Mitarbeiter des Ndula Ressource Center (l.) und ein Bewohner der Kakuzi Hills schauen auf das fruchtbare Land, aus dem die Menschen vertrieben wurden

Foto: Heiner Hoffmann / DER SPIEGEL

»Unten in der Ebene hatten wir alles. Hier oben können wir kaum etwas anbauen. Die Kolonialzeit hat in diesen Hügeln nie aufgehört«, sagt Loisa Syokau. Wenn jemand im Dorf krank wird, müssen vier Männer einen Sack aufspannen und die Patienten oder Patientinnen mehrere Stunden lang ins Tal tragen. »Meine Tochter hat auf diese Weise eine Fehlgeburt erlitten. Meine Söhne sind nach Nairobi abgehauen und kriminell geworden. Ich möchte euch Europäern sagen: An euren Avocados klebt unser Blut.«

Die Stellungnahme

Kakuzi antwortet in scharfem Ton per E-Mail auf die Fragen des SPIEGEL. Es gehe um sehr ernste Vorwürfe, die Straftaten beträfen – »die sollten von niemandem leichtfertig erhoben werden«, schreibt der Konzern. Die meisten Fälle seien nie bei kenianischen Ermittlungsbehörden angezeigt worden, Kakuzi selbst sei nicht Teil des Verfahrens in Großbritannien gewesen. Daher habe die Firma inzwischen selbst alle Vorwürfe an den Generalstaatsanwalt weitergeleitet, der daraufhin polizeiliche Ermittlungen veranlasst habe.

Warum wurden die mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen tatsächlich nicht in Kenia angeklagt, sondern im fernen England? Mary Kambo von der Kenya Human Rights Commission begründet das mit dem Einfluss des Unternehmens vor Ort: »Kakuzi kann sich hier einfach freikaufen, sie arbeiten mit den Behörden Hand in Hand. Wichtige Unterlagen und Beweise verschwinden einfach oder werden beschlagnahmt. Wir haben lange genug versucht, die Probleme vor Ort zu lösen. Es funktioniert nicht.«

Kakuzi teilt in der Stellungnahme zudem mit, dass nach Arbeitsunfällen stets eine angemessene Entschädigung gezahlt werde. Das Unternehmen unterstütze keine Diskriminierung und beschäftige viele Personen weiter, die Arbeitsunfälle erlitten hätten. Für Landfragen sei die Regierung zuständig.

Die Konsequenzen

Mehrere Supermärkte in England haben wegen der schweren Vorwürfe gegen Kakuzi bereits Produkte des Konzerns aus dem Sortiment genommen, erwarten umfassende Aufklärung und Reformen. Loisa Syokau, Mariam Wanja und den anderen Frauen reicht das nicht. Sie wollen weiterkämpfen. Bis »Kakuzi-Land« wieder ihr Land ist.

*Wir haben die Namen der Protagonisten auf ihren Wunsch hin und zu ihrem Schutz geändert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war an einer Stelle von Mord die Rede; juristisch ist allerdings Totschlag gemeint. Zudem liegen dem SPIEGEL Unterlagen vor, wonach Victorias Unfall fünf Jahre zurückliegt – und nicht, wie zuvor angegeben, vor zwei Jahren. Wir haben die Stellen angepasst.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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