US-Vizepräsidentin Harris an potenzielle Migranten »Kommt nicht hierher«

Die Lage an der US-Südgrenze hat sich zuletzt verschärft – immer mehr Menschen versuchen den illegalen Übertritt gen Norden. In Guatemala überbrachte US-Vizepräsidentin Harris nun eine klare Botschaft.
Kamala Harris in Guatemala-Stadt

Kamala Harris in Guatemala-Stadt

Foto: Esteban Biba / EPA

Eine der zentralen Aufgaben in Kamala Harris' Amtszeit als US-Vizepräsidentin ist die Migrantenkrise an der Grenze zu Mexiko. Im März hatte ihr Chef Joe Biden sie federführend mit der Lösung dieses Problems betraut. Da war es kein Zufall, dass ihre erste Auslandsreise Harris nach Mexiko und Guatemala führt.

Sie kündigte am Montag in Guatemala-Stadt die Schaffung von Arbeitsgruppen der US-Regierung zum Kampf gegen Korruption und Menschenschmuggel an. Nach dem Amtsantritt von Biden und Harris im Januar sind die Zahlen der Migranten stark gestiegen .

Darauf ging Harris bei ihrem Auftritt in Guatemala direkt ein – und wurde deutlich. Denjenigen, die überlegten, die gefährliche Reise zur US-Grenze auf sich zu nehmen, sagte sie: »Kommt nicht hierher.« Wer an die Grenze komme, werde zurückgewiesen, erklärte Harris.

Auch werde die US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit bis zu 88 Millionen Dollar für Programme in Guatemala zur Verfügung stellen – um jungen, indigenen Frauen zu helfen und wirtschaftliche Chancen zu erhöhen.

Bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem guatemaltekischen Präsidenten Alejandro Giammattei nach einem – nach ihrer Darstellung »sehr offenen« – bilateralen Gespräch betonte Harris, es sei im Interesse der USA zu helfen, solche Chancen zu schaffen und Wohlstand zu teilen. Sie spreche auch mit Unternehmensvorsitzenden, damit diese in Guatemala investierten.

Giammattei sprach außerdem vom Kampf gegen den Drogenhandel als wichtige gemeinsame Aufgabe. Von US-Journalisten darauf angesprochen, dass seine Kritiker ihn als Teil des Korruptionsproblems sähen, verwies der seit 2020 regierende konservative Politiker auf Unwahrheiten, die in sozialen Medien verbreitet würden.

Innenpolitischer Druck auf Harris wächst

Im April hatte Harris bereits die Zahlung zusätzlicher Hilfsgelder von 310 Millionen Dollar (rund 255 Millionen Euro) an die mittelamerikanischen Länder Guatemala, Honduras und El Salvador angekündigt. Aus den drei Ländern sowie aus Mexiko kommen die meisten der Zehntausenden Menschen, die jeden Monat versuchen, über die Grenze mit Mexiko illegal in die USA zu gelangen.

DER SPIEGEL

Harris steht vor einer gewaltigen Aufgabe . In der US-Politik gibt es wohl kaum ein Thema, das mit mehr Fallstricken verbunden ist als die Einwanderung. Harris selbst ist diese Ambivalenz bewusst. Kurz nach der Berufung durch Biden stellte sie mit Blick auf den neuen Job nüchtern fest: »Es ist keine Frage, dass dies eine Herausforderung ist.«

Wie politisch brisant die neue Aufgabe ist, bekam Harris umgehend zu spüren: Während in der eigenen Partei sofort Stimmen laut wurden, die sie dazu aufforderten, die Einreisemöglichkeiten für Flüchtende an der Grenze zu Mexiko zu erleichtern, gingen die Republikaner zum Frontalangriff auf sie über. Künftig werden sie ihr vermutlich alles, was an der Grenze nicht läuft, direkt zur Last legen.

jok/dpa