Anschlag in Kanada Trudeau spricht nach tödlicher Auto-Attacke auf Muslime von »Terror«

Ein Mann fährt mit seinem Pick-up in eine muslimische Familie, vier Menschen sterben. Die Ermittler vermuten eine »von Hass motivierte Tat« – nun hat Kanadas Premier Trudeau deutliche Worte gefunden.
Trauernde am Ort der Amokfahrt in London, Kanada

Trauernde am Ort der Amokfahrt in London, Kanada

Foto: CARLOS OSORIO / REUTERS

Ein Mann in Kanada tötet vier Mitglieder einer muslimischen Familie mit einem Auto – nun spricht Premier Justin Trudeau von einem »Terroranschlag«. Bei dem offenbar rassistisch motivierten Angriff hatte ein 20-Jähriger am Sonntagabend die muslimische Familie gezielt überfahren. Ein neunjähriger Junge überlebte den Angriff nach Polizeiangaben schwer verletzt.

»Dies war ein Terroranschlag, geleitet von Hass, im Herzen einer unserer Gemeinschaften«, sagte Trudeau nun. Er rief die Kanadier zum Kampf gegen Rassismus auf. »Als (politische) Anführer und als Kanadier müssen wir nicht nur sagen: ›genug ist genug‹, wir müssen auch handeln.« Der Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair, sprach von einer »schrecklichen Tat aus Islamophobie«.

»Eine geplante und von Hass motivierte Tat«

Der Vorfall mit einem Auto als Tatwaffe hatte sich im Ort London unweit von Toronto ereignet. Die Opfer waren zu Fuß auf einem Bürgersteig unterwegs, als der Angreifer mit seinem schwarzen Pick-up-Truck die Bordsteinschwelle hochfuhr und sie überfuhr. Es gebe »Hinweise, dass dies eine geplante und von Hass motivierte Tat war«, sagte Polizeisprecher Paul Waight am Montag. Die Ermittler seien überzeugt, »dass diese Opfer angegriffen wurden, weil sie Muslime waren«.

Laut Waight wurde der Mann, der eine Weste trug, die einer kugelsicheren Weste ähnelte, sieben Kilometer vom Tatort in der Stadt London entfernt festgenommen. Gegen ihn wird wegen vierfachen Mordes und Mordversuchs ermittelt. Zudem prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft eine mögliche Anklage wegen »Terrorismus«. Auch die Veröffentlichungen des Mannes in Onlinenetzwerken sollen überprüft werden.

Bei den Opfern handelt es sich laut Stadtverwaltung um zwei Frauen im Alter von 74 und 44 Jahren, einen 46-jährigen Mann und ein 15 Jahre altes Mädchen – drei Generationen einer Familie. Londons Bürgermeister Ed Holder sprach von einem »Akt des Massenmordes«, der seine Wurzeln in »unsäglichem Hass« habe.

Der kanadische Rat der Muslime äußerte sich »mehr als entsetzt« über den Angriff. »Das ist eine terroristische Attacke auf kanadischem Boden und muss als solche behandelt werden«, sagte Ratspräsident Mustafa Farooq. Auch der kanadische Verband der Muslime forderte die Behörden auf, »diesen schrecklichen Angriff als einen Akt des Hasses und des Terrorismus zu verfolgen«.

Akte des Hasses

Anfang 2017 hatte ein Anschlag auf eine Moschee im kanadischen Quebec weltweit für Bestürzung gesorgt. Der damalige Politikstudent Alexandre Bissonnette, der Sympathien für nationalistisches und rassistisches Gedankengut gezeigt haben soll, erschoss sechs Gläubige. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Bissonnette wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Die Tat von London weckt zudem Erinnerungen an die Amokfahrt eines Mannes im April 2018 in Toronto. Dieser hatte einen Lieferwagen mit voller Geschwindigkeit auf einen Gehweg im Zentrum von Kanadas zweitgrößter Stadt gelenkt. Acht Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 22 und 94 Jahren wurden getötet und 16 weitere Menschen verletzt. Der 28-Jährige wurde im März wegen Mordes schuldig gesprochen, das Strafmaß soll Anfang 2022 verkündet werden.

mrc/dpa/AFP
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