Aus für »Freiheitskonvoi«-Protest Kanadische Polizei räumt Grenzbrücke zu den USA

40.000 Menschen nutzen täglich die Ambassador Bridge, die Kanada mit den USA verbindet. Nun haben die Behörden den Protest dort aufgelöst, es kam zu Festnahmen. Die Truckeraktion inspiriert immer mehr Impfgegner in Europa.
Platz schaffen für die Warentransporte: Die kanadische Polizei hat die schlagzeilenträchtige Truckerblockade aufgelöst

Platz schaffen für die Warentransporte: Die kanadische Polizei hat die schlagzeilenträchtige Truckerblockade aufgelöst

Foto: Nathan Denette / dpa

Die kanadische Polizei hat am Sonntag die wichtige Ambassador Bridge zwischen der Provinz Ontario und der US-Metropole Detroit geräumt. Trotz einer Gerichtsanordnung am Freitag hatten Lkw-Fahrer und weitere Mitdemonstranten ihre Blockade des wichtigen Grenzübergangs zunächst fortgesetzt.

Laut dem Gerichtsbeschluss hätten sie die Brücke am Freitagabend bis 19 Uhr Ortszeit verlassen müssen. Am Samstag, als viele Demonstranten bereits ihren Platz verließen, begann dann ein massives Polizeiaufgebot mit der Räumung. Es konnte zunächst aber nicht alle Lkw von der Brücke holen.

Am Sonntag gab es nach Behördenangaben nun auch Festnahmen. Die Rede war von zwölf Menschen, die sich ohne Gegenwehr festnehmen ließen, sowie sieben abgeschleppten Fahrzeugen. Gegen Mittag war die Brücke den Angaben zufolge wieder frei, die Zufahrtsstraße geräumt.

Der Grenzübergang werde jedoch erst wieder geöffnet, »wenn es sicher ist«, sagte der Bürgermeister der Grenzstadt Windsor, Drew Dilkens. »Die nationale Wirtschaftskrise an der Ambassador Bridge« aber sei »heute zu Ende gegangen.«

Polizeikräfte im kanadischen Windsor: Es kam zu zwölf Festnahmen

Polizeikräfte im kanadischen Windsor: Es kam zu zwölf Festnahmen

Foto: Nathan Denette / dpa

Zehntausende Fahrten pro Tag

Der Grenzübergang ist eine wichtige Verkehrsader und wird üblicherweise täglich von mehr als 40.000 Berufspendlern und Touristen genutzt. Vor den Protesten, die den Verkehr lahmlegten, passierten jeden Tag Lastwagen mit Waren im Wert von 323 Millionen Dollar (umgerechnet 283 Millionen Euro) die Brücke – mehr als ein Viertel des Warenverkehrs zwischen den USA und Kanada.

Während die Ambassador Bridge nun bald wieder befahrbar sein dürfte, blieben weitere Grenzübergänge von Gegnern der Coronamaßnahmen blockiert. Zahlreiche Demonstranten strömten zudem in Kanadas Hauptstadt Ottawa, wo die Straßen seit über zwei Wochen durch Hunderte Lastwagen verstopft sind. Der selbst ernannte »Freiheitskonvoi« ist noch nicht am Ende.

Die Aktionen der Lkw-Fahrer hatten aus Protest gegen die Impf- und Quarantäneregeln für Grenzübertritte begonnen, die Mitte Januar von Kanada und den USA eingeführt worden waren. Ungeimpfte kanadische Lkw-Fahrer müssen demnach bei der Rückkehr aus den USA in eine 14-tägige Quarantäne, US-Fahrer ohne Impfung dürfen gar nicht ins Land.

Den Verkehr lahmgelegt: So sah die Blockade vergangenen Mittwoch aus

Den Verkehr lahmgelegt: So sah die Blockade vergangenen Mittwoch aus

Foto: GEOFF ROBINS / AFP

Ein Vorbild für europäische Demonstranten

Die Proteste der kanadischen Trucker, die mitunter von Rechten befeuert werden , haben weltweit Gegner der Coronamaßnahmen inspiriert. In Frankreich waren in den vergangenen Tagen Tausende Demonstranten aus allen Landesteilen mit Autos, Wohnmobilen und Lieferwagen an den Pariser Stadtrand gefahren, um sich einem Protestkonvoi anzuschließen.

Unter den Teilnehmern fanden sich Gegner des sogenannten Impfpasses und Anhänger der »Gelbwesten«-Bewegung, aber auch Menschen, die generell gegen die Regierung protestieren. Die Polizei mobilisierte 7500 Einsatzkräfte, um Blockaden zu verhindern.

Am Samstagnachmittag gelang es Demonstranten, zu Fuß und mit mehr als hundert Fahrzeugen auf die Champs-Élysées zu gelangen. Die Polizei löste die unerlaubte Demonstration mit Tränengas auf, nahm 97 Menschen fest und verhängte 513 Verwarnungen. An genehmigten Kundgebungen gegen die Coronamaßnahmen beteiligten sich am Samstag laut Innenministerium landesweit 32.100 Menschen, davon fast 7600 in Paris.

Nächstes Ziel: Brüssel

Das Demonstrationsrecht und die Meinungsfreiheit seien verfassungsmäßig garantiert, erklärte Premierminister Jean Castex. Es gebe aber kein Recht, »andere zu blockieren oder am Kommen und Gehen zu hindern«.

Einige der Protestierenden aus Paris planten die Weiterfahrt nach Brüssel, wo am Montag ein »europäisches Treffen« stattfinden soll. Die belgischen Behörden haben die geplanten Konvois ebenfalls verboten. Ein Konvoi von rund 300 Fahrzeugen erreichte am Sonntag das nordfranzösische Lille nahe der belgischen Grenze.

In Den Haag fuhren am Samstag ebenfalls Gegner der Coronamaßnahmen aus den gesamten Niederlanden mit ihren Fahrzeugen in die Innenstadt.

Medienberichten zufolge blockierten Hunderte Autos den berühmten Binnenhof, in dem unter anderem das niederländische Parlament sitzt. Die Polizei stellte den Demonstranten eine Frist bis zum Nachmittag für das Verlassen der Stadt, die auch eingehalten wurde.

mbö/AFP