Vermehrte Flucht über die Kanaren EU-Innenkommissarin besorgt wegen Migration über "tödlichste" Route

Die spanischen Kanaren westlich von Afrika entwickeln sich zur Fluchtroute. Siebenmal mehr Menschen als im Vorjahr kamen dieses Jahr bereits. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson fordert nun eine Reform des EU-Asylrechts.
Geflüchtete bei der Ankunft im Hafen Arguineguín auf Gran Canaria

Geflüchtete bei der Ankunft im Hafen Arguineguín auf Gran Canaria

Foto: Angel Medina G/EPA-EFE/REX

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hat sich besorgt über die dramatischen Ankunftszahlen von Migranten auf den Kanaren gezeigt. Dass sich so viele Menschen auf den Weg über die "tödlichste" Flüchtlingsroute machten, belege die Notwendigkeit einer Reform der Asyl- und Migrationspolitik, sagte die Schwedin der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.

Auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln ist die Zahl der ankommenden Migranten zuletzt deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn kamen knapp 14.000 Migranten in offenen Booten von Afrika aus über den Atlantik – rund siebenmal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Zuletzt waren vor zwei Wochen 140 Menschen beim Versuch, die Kanaren zu erreichen, ertrunken.

EU-Innenminister beraten Reform des Asylrechts

Vor Ort komme es jetzt darauf an, dass jene, die kein Recht auf internationalen Schutz hätten, effektiv zurückgeführt würden, sagte Johansson. Zugleich müsse das Recht auf Asyl gewahrt bleiben. Mit Blick auf die Coronakrise müssten sowohl für die Ankommenden als auch für die heimische Bevölkerung grundlegende Gesundheitsstandards eingehalten werden.

Johansson hatte im September eine Reform der seit Jahren blockierten EU-Asyl- und Migrationspolitik vorgeschlagen. Mit Blick auf die Kanaren betonte sie nun vor allem eine effektive Rückführung abgelehnter Asylsuchender sowie eine engere Partnerschaft mit Transit- und Herkunftsländern der Migranten. So könnten die Menschen daran gehindert werden, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Auch Menschenschmuggler und ihre Netzwerke müssten bekämpft werden. Zudem müssten die anderen EU-Staaten belastete Länder unterstützen und so die würdevolle Unterbringung von Asylsuchenden ermöglichen. An diesem Freitag beraten die EU-Innenminister über die Reformpläne.

mrc/dpa