Unruhen in Kasachstan Demonstranten besetzen Flughafen in Almaty

Kasachstans Präsident will »so hart wie möglich« gegen Protestierende im Land vorgehen. Aber dennoch machten sich Dutzende Demonstranten auf den Weg zum Flughafen der Wirtschaftsmetropole Almaty.
Kasachische Polizisten blockieren in Almaty eine Straße, um Demonstranten aufzuhalten

Kasachische Polizisten blockieren in Almaty eine Straße, um Demonstranten aufzuhalten

Foto: Vladimir Tretyakov / picture alliance/dpa/AP

Gewalt und Proteste halten im zentralasiatischen Staat Kasachstan an. Am Mittwochnachmittag besetzten Demonstranten den Flughafen der wichtigen Wirtschaftsstadt Almaty im Süden des Landes. Das berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und der unabhängige Telegram-Kanal Orda.

Das Flughafenpersonal habe Passagiere evakuiert. Alle Flüge von und nach Almaty seien vorübergehend gestrichen worden.

Seit Tagen gibt es in dem ölreichen Land Proteste gegen die Erhöhung der Preise für Autogas, sie sind teilweise auch in Gewalt umgeschlagen. In Almaty stürmte eine aufgebrachte Menge am Mittwoch öffentliche Gebäude und steckte den Amtssitz des Bürgermeisters in Brand. Im Internet verbreitete Videos zeigten zudem, dass auch das Gebäude der Staatsanwaltschaft in der größten Stadt des ölreichen zentralasiatischen Landes brannte. Zu Protesten kam es auch anderenorts.

Präsident Kassym-Schomart Tokajew verhängte über Almaty, die Hauptstadt Nur-Sultan und die ölreiche Region Mangystau den Ausnahmezustand. Der Rücktritt der Regierung, den Tokajew am Mittwoch annahm, und die von ihm angeordnete Rücknahme der Preiserhöhung für Autogas konnten die Menschen nicht beruhigen.

Tokajew kündigt Vorgehen, »so hart wie möglich«, an

Tokajew kündigte an, »so hart wie möglich« auf die teils gewaltsamen Proteste zu reagieren, und übernahm nach eigenen Angaben mit sofortiger Wirkung auch den Vorsitz des Sicherheitsrats. Diesen hatte bislang der 81-jährige frühere Präsident Nursultan Nasarbajew inne. Von Nasarbajew gab es bislang keine öffentliche Reaktion auf die Unruhen.

Kasachstan war bis 2019 über Jahrzehnte von Nursultan Nasarbajew regiert worden, der die Amtsgeschäfte an Tokajew übergeben hatte. Auch nach seinem Abgang blieb der Langzeitherrscher einflussreich. Er war unter anderem Chef des Sicherheitsrats. Tokajew kündigte am Mittwoch an, dass er den Vorsitz übernommen habe. Befürchtet wurde, dass es in Kasachstan zu einer Revolution kommen könne. Medien berichteten, Polizisten hätten sich geweigert, Menschen festzunehmen.

Nasarbajew ist ein enger Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin. Das russische Außenministerium erklärte, Moskau hoffe auf »eine schnellstmögliche Normalisierung der Lage« und unterstütze eine »friedliche Lösung« aller Probleme im Nachbarland.

Die Bundesregierung erklärte, sie verfolge die aktuellen Entwicklungen in Kasachstan »sehr aufmerksam«. Es sei »entscheidend, dass sich die Lage wieder beruhigt«, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Wichtig sei ein Dialog.

anr/als/Reuters/dpa/AFP