Ex-Regionalpräsident Kataloniens Carles Puigdemont auf Sardinien verhaftet

Als Separatistenführer rief Carles Puigdemont 2017 die katalanische Unabhängigkeit aus, vor der spanischen Justiz floh er nach Belgien. Nun wurde er festgenommen.
Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont (2019)

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont (2019)

Foto:

Francisco Seco/ AP

Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont ist auf der italienischen Insel Sardinien festgenommen worden. Das schrieb sein Anwalt Gonzalo Boye am Donnerstagabend auf Twitter. Auch Puigdemonts belgischer Anwalt Simon Bekaert bestätigte der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel, Puigdemont sei auf Sardinien verhaftet worden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wie die Zeitung »El Español« berichtet, sei die Verhaftung auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls erfolgt. Die Zeitung »El País« bestätigte die Berichte. Laut den Medienberichten war Puigdemont aufgrund einer Veranstaltung in der katalanischsprachigen Stadt Alghero nach Italien gereist. Josep Lluís Alay, ein Vertrauter Puigdemonts, schrieb, er werde am Freitagmorgen dem zuständigen Richter vorgeführt.

Der spanische Oppositionsführer Pablo Casado reagierte am Abend auf die Festnahme, indem er den spanischen Regierungschef Pedro Sánchez unter Druck setzte, dessen Minderheitsregierung von katalanischen Separatisten gestützt wird. Puigdemont müsse in Spanien vor Gericht gestellt werden, schrieb Casado auf Twitter. Und Sánchez müsse sich verpflichten, das Urteil der Justiz zu respektieren, »ohne Begnadigungen als Gegenleistung für seinen Verbleib an der Macht«. Sánchez hatte zuletzt einige verurteilte Separatistenführer begnadigt, um den Konflikt um die Region zu beruhigen.

Seit Herbst 2017 befindet sich Puigdemont auf der Flucht vor der spanischen Justiz, seit vier Jahren lebt er in Belgien. Als Mitglied des Europäischen Parlaments genoss er Immunität, die durch einen Beschluss des Parlaments im März jedoch aufgehoben wurde. Spanien bemüht sich seit Jahren vergeblich um die Auslieferungen.

Nach Belgien geflohen

Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung hatte unter Separatistenführer Puigdemont am 1. Oktober 2017 gegen den Willen Madrids ein Referendum abgehalten und für kurze Zeit sogar die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen. Die Zentralregierung in Madrid setzte daraufhin die Autonomie der Region aus und enthob die Regionalregierung des Amtes.

Puigdemont und sein ehemaliger Gesundheitsminister Toni Comín setzten sich daraufhin nach Belgien ab, um der Strafverfolgung zu entgehen. Kataloniens Ex-Kulturministerin Clara Ponsatí floh nach Schottland. 2019 wurden alle drei ins EU-Parlament gewählt.

In Spanien drohen den Politikern harte Strafen. Dort gebliebene Mitstreiter für die Unabhängigkeit Kataloniens wurden bereits zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der frühere katalanische Vizepräsident Oriol Junqueras etwa erhielt eine 13-jährige Gefängnisstrafe. Auch er war ins EU-Parlament gewählt worden, konnte sein Mandat wegen der Verurteilung aber nicht antreten.

hba/slü
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.