Abkommen unterzeichnet Katar beendet Konflikt mit Nachbarstaaten

Ein brenzliger Konflikt ist entschärft: Katar hat seinen Streit mit Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten beigelegt. Auslöser für den Zwist waren die Verbindungen des Emirats zu Iran.
Saudi-Arabiens Kronprinz Salman beim Empfang des Emirs von Katar Tamim bin Hamad al-Thani

Saudi-Arabiens Kronprinz Salman beim Empfang des Emirs von Katar Tamim bin Hamad al-Thani

Foto: - / dpa

Nach über drei Jahren des Konflikts haben Katar und seine Nachbarländer ein Abkommen unterzeichnet, das die gegenseitigen Beziehungen reparieren soll. Bei einem Treffen des Golf-Kooperationsrats (GCC) in der Wüstenstadt Al-Ula im Nordwesten Saudi-Arabiens sprachen die Teilnehmer von einer neuen Phase der Zusammenarbeit, auch mit Blick auf die von ihnen wahrgenommene Bedrohung durch Iran in der Region.

Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten am 5. Juni 2017 die Grenzen zu dem auf einer Halbinsel liegenden Katar geschlossen und eine Blockade verhängt. Ägypten schloss sich an. Die Staaten hatten Katar unter anderem Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran vorgeworfen. Das Emirat hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Es war eine der schwersten Krisen des GCC seit dessen Gründung im Jahr 1981. Kuwait und die USA hatten in dem Streit vermittelt.

Kronprinz fährt den Emir persönlich spazieren

Der katarische Emir Tamim bin Hamad al-Thani und Kronprinz Mohammed bin Salman, faktischer Herrscher Saudi-Arabiens, umarmten sich in Al-Ula bei ihrer ersten Begegnung seit Jahren. Der Kronprinz, der die Ratssitzung leitete, warnte vor »Bedrohungen durch das Atomprogramm und das Programm für ballistische Raketen des iranischen Regimes«. Er sprach auch von den »staatsfeindlichen, zerstörerischen Projekten« Teherans und dessen Verbündeten. Nach der Sitzung fuhr der Kronprinz den Emir persönlich in einem Auto durch Al-Ula. Die Gegend ist für archäologische Stätten bekannt, darunter auch Unesco-Weltkulturerbe.

Auch Spitzenvertreter der vier weiteren GCC-Staaten – Bahrain, Oman, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate – unterzeichneten das Abkommen. Ägypten, das durch Außenminister Samih Schukri in Al-Ula vertreten war, kündigte eine Öffnung des Luftraums für Katar an. Der Verkehr von Katar nach Saudi-Arabien zu Luft, Land und Wasser wurde schon am Montag wieder freigegeben.

Qatar Airways-Maschinen mussten während des Konflikts lange Umwege um Saudi-Arabien fliegen, was zu Problemen für Reisende und Warentransporte geführt hatte. Das schwerreiche Emirat Katar hatte im Zuge dieser Schwierigkeiten Berichten zufolge mehr als 100 Millionen Dollar pro Jahr für Überflugrechte an Iran bezahlt. Wegen Engpässen hatte Katar auch Lebensmittel aus Iran und der Türkei importiert. 2022 lädt Katar zur Fußball-WM und hofft dabei auf Millionen Besucher aus aller Welt.

Der bevorstehende Regierungswechsel in den USA ist Fachleuten zufolge ein entscheidender Faktor für die Aussöhnung. Saudi-Arabien und dessen Verbündete fürchten, dass die USA sich unter dem gewählten Präsidenten Joe Biden aus der Region zurückziehen werden – ähnlich wie unter Barack Obama. Die GCC-Staaten seien für ihre Sicherheit deshalb mehr auf sich und ihre Partner in der Region angewiesen, sagte Dania Thafer, Direktorin des Gulf International Forum in Washington. Das gelte auch mit Blick auf Iran, den Erzrivalen Saudi-Arabiens.

Außenpolitischer Erfolg für Trump

Die Regierung des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen den Druck auf Riad und Doha erhöht, berichtete das Nachrichtenportal Axios. Die Versöhnung sei eine Geste an Trump, der mit Saudi-Arabien ein gutes Verhältnis pflegte und der die Einigung als außenpolitischen Erfolg verbuchen kann. Am Treffen in Al-Ula nahm auch Vermittler Jared Kushner teil, Trumps Berater und Schwiegersohn.

Die USA unterhalten einen ihrer wichtigsten Luftwaffenstützpunkte in Katar, wo mehr als 10.000 Soldaten stationiert sind. Insgesamt 25.000 weitere US-Soldaten sind nach Angaben der konservativen Heritage Foundation in Kuwait, Bahrain und den Emiraten stationiert. Von Katar aus fliegen die USA etwa Angriffe im Irak, Syrien und Afghanistan.

Beendet sein dürfte die Krise am Golf mit dem Abkommen nicht. Den Führern in Riad und Abu Dhabi ist ein Dorn im Auge, dass Katar islamistische Organisationen wie die Muslimbrüder unterstützt. Auch der von Katar finanzierte Nachrichtenkanal Al-Dschasira, der Kritikern zufolge Islamisten zu viel Raum bietet, wird seine Arbeit fortsetzen. Die Blockadestaaten hatten zuvor unter anderem gefordert, dass Katar den Kanal schließt und seine iranischen Beziehungen reduziert.

mes/dpa/AFP
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