Britischer Oppositionsführer Labourchef Starmer wegen »Beergate«-Affäre in der Kritik

Premier Boris Johnson muss sich wegen illegaler Feiern in der Pandemie einem Untersuchungsausschuss stellen. Jetzt gibt es aber auch Vorwürfe gegen den britischen Oppositionsführer Keir Starmer.
Labourchef Keir Starmer

Labourchef Keir Starmer

Foto: Danny Lawson / dpa

Kurz vor den Regionalwahlen in Großbritannien gerät Oppositionsführer Keir Starmer unter Druck – der Grund: eine gesellige Runde während des Corona-Lockdowns. Der Chef der Labourpartei nahm im April vergangenen Jahres an einer Wahlkampfreise ins nordenglische Durham teil.

Restaurants hatten damals wegen der Pandemie noch weitgehend geschlossen, es galten strenge Kontaktbeschränkungen – mit Ausnahmen für Arbeitstreffen. In mehreren britischen Medien tauchten Aufnahmen des Abends auf, die konservative »Daily Mail« bringt seit Tagen umfangreiche Berichte zu dem so betitelten »Beergate«-Vorfall. Denn Starmer ist dabei in geselliger Runde mit einem Bier in der Hand zu sehen.

Der Chef der Labourpartei wies am Mittwoch in einem Interview mit dem Sender ITV zurück, dabei Regeln gebrochen zu haben. Er habe mit seinem Wahlkampfteam im Büro Curry bestellt, während der Arbeit gegessen und ein Bier getrunken. Er wies auf ein Statement der Polizei Durham hin, die zuvor mitgeteilt hatte, nicht zu dem Vorfall zu ermitteln. Die Polizei habe ihn auch nicht kontaktiert, sagte der Sozialdemokrat.

Aus den konservativen Reihen kamen Forderungen an die Behörde, der Sache nachzugehen. »Wie viele Beweise brauchen Sie noch?«, schrieb der konservative Abgeordnete Mark Jenkinson auf Twitter an die Polizei gewandt, nachdem es in Berichten geheißen hatte, es sei für 30 Menschen Essen bestellt worden.

Starmer hatte der Tory-Partei zuvor eine »Schlammschlacht« vorgeworfen, um von den Lockdown-Partys des eigenen Premierministers Boris Johnson abzulenken. Dieser hat bereits für eine illegale Feier eine Strafe zahlen müssen, wegen weiterer wird noch ermittelt. Kürzlich beschloss das Unterhaus, Johnson wegen der Partygate-Affäre vor einen Untersuchungsausschuss zu laden. Das Gremium soll die Frage klären, ob der Premier im Parlament über illegale Feiern zu Zeiten des Lockdowns gelogen hat. Eine absichtliche Täuschung des Parlaments gilt als klarer Rücktrittsgrund.

als/dpa