Khartum Zehntausende demonstrieren gegen Militärführung im Sudan

Anhänger der Demokratiebewegung sind im Sudan für Massenproteste auf die Straße gegangen. Zeitweise drangen sie bis zum Präsidentenpalast vor – dann setzten die Sicherheitskräfte große Mengen Tränengas ein.
Demonstranten in Khartum: »Das Volk ist stärker und ein Rückzug ist unmöglich«

Demonstranten in Khartum: »Das Volk ist stärker und ein Rückzug ist unmöglich«

Foto: - / AFP

Im Sudan ist die Polizei am Sonntag mit großen Mengen Tränengas gegen zehntausende Menschen vorgegangen, die gegen die Militärregierung demonstrierten. Dabei gab es nach Angaben von Augenzeugen mehrere Verletzte. Die Regierungskritiker riefen, »das Volk« verlange den »Sturz« des Mililitärmachthabers Fattah al-Burhan. Dieser war durch einen Putsch am 25. Oktober an die Macht gelangt. Das Sicherheitsaufgebot wurde im Laufe des Tages verstärkt.

Zahlreiche Demonstranten waren am Sonntag zum Präsidentenpalast in der Hauptstadt Khartum gezogen. In manchen Berichten war sogar von insgesamt mehr als hunderttausend Demonstranten im Land die Rede. Die Protestierenden fordern unter anderem freie Wahlen, und dass sich das Militär nicht weiter in die Regierungsangelegenheit einmischt.

In der Hauptstadt gelang es ihnen, trotz des Tränengaseinsatzes zeitweise bis zu den Toren des Palasts vorzudringen. Einige von ihnen riefen dabei: »Das Volk ist stärker und ein Rückzug ist unmöglich.« Aus der auf der anderen Nil-Seite gelegenen Großstadt Omdurman und aus anderen Regionen machten sich laut Berichten vor Ort ebenfalls zahlreiche Demonstranten auf den Weg Richtung. Bilder in den sozialen Medien zeigten, dass es auch in weiteren Städten wie Port, El-Deain, Madani und Kassala zu Protesten kam.

Wie viele Festnahmen oder Verletzte es bei den Protesten am Sonntag gab, war zunächst unklar. In den vergangenen Wochen kam es bei Massenprotesten der Demokratiebewegung auch zu Todesfällen, als Sicherheitskräfte scharfe Munition einsetzten. Sicherheitskräfte sollen laut Zeugenberichten Straßen und Brücken gesperrt haben, um zu verhindern, dass Menschen an den Demonstrationen teilnehmen können.

Warnung vor Destabilisierung des Landes

Die aktuellen Demonstrationen vor dem Präsidentenpalast in Khartum erfolgen drei Jahre nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir. Der 19. Dezember spielt in der Geschichte des Sudan eine besondere Rolle: Am 19. Dezember 2018 hatten hunderttausende Demonstranten erreicht, dass die Armee al-Baschir stürzte. Am 19. Dezember 1955 hatte der Sudan seine Unabhängigkeit von Großbritannien erklärt.

Regierungschef Abdallah Hamdok teilte am Samstag mit, dem Land drohe eine Destabilisierung. Der Sudan könne in einen »Abgrund« stürzen, fügte Hamdok hinzu. Al-Burhan hatte Ende Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Nach Massendemonstrationen und internationalem Protest setzte al-Burhan Regierungschef Hamdok nach vier Wochen wieder ein. Wie viel Macht Hamdok seit seiner Wiedereinsetzung tatsächlich besitzt, ist jedoch unklar.

Für sich selbst verfügte al-Burhan die Verlängerung seiner Vollmachten um zwei Jahre. Im Sudan befinden sich nach offiziellen Angaben fünf Millionen Waffen in der Hand von Zivilisten.

hpp/afp/reuters/ap