Rätselraten um Nordkoreas Diktator Satellitenfotos deuten auf Abstecher in Luxusanwesen am Meer hin

Wo ist Kim Jong Un? Satellitenbilder geben Hinweise auf den möglichen Verbleib des untergetauchten Diktators: Bewegungen eines Zuges und mehrerer Luxusboote lassen vermuten, dass er in einem Küstenort weilt.
Länger nicht gesehen: Kim Jong Un bei einem seiner bislang letzten öffentlichen Auftritte im März 2020

Länger nicht gesehen: Kim Jong Un bei einem seiner bislang letzten öffentlichen Auftritte im März 2020

Foto: KCNA via KNS/ AP

Die Grenzen zu Nordkorea sind dicht - in Zeiten von Corona mehr denn je. Nur aus der Luft lassen sich anscheinend aktuell Hinweise auf den Verbleib des als verschwunden geltenden Kim Jong Un erlangen. So liefern Satellitenbilder Hinweise darauf, dass er sich in der nordkoreanischen Küstenstadt Wonsan aufhalten könnte. Dort wurden Bewegungen mehrerer Luxusboote beobachtet, die Kim Jong Un dort in der Vergangenheit benutzt hatte.

Vor einigen Tagen hatte das auf Nordkorea spezialisierte US-Nachrichtenportal 38 North  zudem berichtet, dass der persönliche Zug der Kim-Familie in einem Bahnhof stehe, der für Besuche der Herrscherfamilie in ihrer dortigen Villa vorgesehen sei. Der Standort des Zuges war ebenfalls durch Satellitenbilder bekannt geworden und hatte einen ersten Hinweis auf seinen möglichen Aufenthaltsort geliefert.

Das beschriftete Satellitenbild erklärt den Aufbau von Kim Jong Uns Anlage in Wonsan an der nordkoreanischen Ostküste

Das beschriftete Satellitenbild erklärt den Aufbau von Kim Jong Uns Anlage in Wonsan an der nordkoreanischen Ostküste

Foto: MAXAR TECHNOLOGIES/38 NORTH/ via REUTERS

Spekulationen über Kim Jong Uns Verbleib waren aufgekommen, nachdem der Diktator sich mehr als zwei Wochen nicht mehr öffentlich gezeigt hatte. Dass er wichtigen Ereignissen wie der Kranzniederlegung am Grab seines Großvaters am höchsten Feiertag Nordkoreas fernblieb, hielten Beobachter für besonders ungewöhnlich. Es kamen Gerüchte auf: der Machthaber habe sich einer Operation unterzogen, sei verstorben oder es habe einen Putsch gegen ihn gegeben. Nordkoreanische Medien hatten seit dem 11. April nicht mehr über seinen Aufenthalt berichtet.

Mit der Auswertung der Satellitenbilder scheint nun wahrscheinlicher, dass Kim Jong Un sich nach Wonsan zurückgezogen hat. Es wird gemutmaßt, er habe das getan, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

"Eines seiner Lieblingshäuser"

Die Art, wie Kim Jong Uns Boote nun bewegt worden seien, sei ein starker Hinweis auf den Verbleib des Diktators dort, meldeten verschiedene auf Nordkorea spezialisierte Nachrichtenseiten. In 11 von 17 Fällen seit Sommer 2016, in denen ähnliche Bewegungen beobachtet wurden, habe sich der Diktator in Wonsan aufgehalten, berichtete das US-Nachrichtenportal "NK Pro ". In einigen der sechs unbestätigten Fälle sei er zumindest in anderen Orten an der Ostküste gesehen worden. Ob er währenddessen in Wonsan residiert habe, sei nicht bekannt.

In Wonsan unterhält Kim Jong Un ein Resort mit Privatstrand, Gästehäusern und einem Basketballfeld, wie aus den Bildern hervorgeht. Demnach wurde im vergangenen Jahr außerdem ein Landstrich planiert, um eine Pferderennbahn zu errichten, die der Diktator im Januar einweihte. In einem Bootshaus soll außerdem Kims Luxusjacht Princess 95 liegen.

"Es ist eines seiner Lieblingshäuser", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Michael Madden, einen US-amerikanischen Nordkorea-Experten, zu der Anlage in Wonsan. Madden verglich Kims Begeisterung für sein Anwesen mit der Vorliebe des US-Präsidenten Donald Trump für dessen Anlage Mar-a-Lago in Florida.

Insgesamt habe Kim 13 Anwesen in Nordkorea, er nutze aber nur rund die Hälfte davon regelmäßig, so der Experte. Alle Resorts seien demnach jedoch so ausgestattet, dass sie als Kommandozentrale für den Diktator dienen könnten und er von dort aus das Land steuern könnte.

Wonsan ist nicht nur Urlaubsort, sondern auch Militärbasis und ein Tourismus-Prestigeprojekt für den Diktator. 2015 eröffnete Kim dort eine mehr als 400 Quadratkilometer große Zone für Tourismus. Sie soll in der nahen Zukunft rund eine Million Touristen und langfristig fünf bis zehn Millionen Besucher anlocken - so heißt es zumindest in Katalogen des Projektes.

Die etwa 360.000 Bewohner der Stadt leben zwischen Kims Anwesen und einem Militärgebiet. Im März wurden dort mehrere Raketen zu Tests gezündet. Dies wurde international als Provokation verstanden. Eine Uno-Resolutionen verbieten Nordkorea derartige Tests.

Während Beobachter weltweit über Kims Aufenthaltsort rätselten, gab US-Präsident Trump vor, Bescheid zu wissen - allerdings nichts verraten zu können. Sein US-Außenminister Mike Pompeo sagte hingegen später dem Sender "Fox News", man habe keine Informationen. Die USA verfolgten das Ziel, Nordkorea zu denuklearisieren. Trump hatte sich 2018 und 2019 insgesamt dreimal mit Kim getroffen, um diesen zur Aufgabe des Atomprogramms zu bewegen - letztlich erfolglos.

ire/Reuters
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