Spekulationen um Nordkoreas Machthaber Warum Südkoreas Geheimdienst den schlankeren Kim für gesund hält

Kim Jong Un sah zuletzt viel dünner aus – was zu Spekulationen über seine Gesundheit führte. Südkoreas Geheimdienst will jetzt mit neuer Technik herausgefunden haben, wie es wirklich um Nordkoreas Diktator steht.
Zweimal Kim: Links Anfang Februar 2021, rechts eine Aufnahme aus Mitte Juni 2021.

Zweimal Kim: Links Anfang Februar 2021, rechts eine Aufnahme aus Mitte Juni 2021.

Foto: AP

Als Kim Jong Un in diesem Sommer nach längerer Abwesenheit mal wieder in den staatlichen Medien von Nordkorea auftauchte, wirkte der Machthaber abgemagert. Der 37-Jährige sehe »ausgemergelt« aus, zitierte der Staatssender KCTV einen nicht namentlich genannten Einwohner der Hauptstadt Pjöngjang. Doch schnell wurde in dem kommunistischen Staat verboten, über die Gründe für den Gewichtsverlust des Diktators zu spekulieren. Wer es trotzdem tue, müsse mit Bestrafung rechnen.

Der südkoreanische Geheimdienst NIS will jetzt herausgefunden haben, wie es wirklich um die Gesundheit von Kim Jong Un steht. Dafür sei modernste Technik verwendet worden, berichtet der britische  »Guardian«.

Der Geheimdienst Südkoreas verwendete dafür Techniken der künstlichen Intelligenz, eine Analyse eines hochauflösenden Videos von Kim und andere Methoden, um Kims Gesundheit zu untersuchen. So werden zwei namentlich nicht genannte Parlamentarier zitiert, die bei einer geheimen Unterrichtung des Dienstes dabei waren.

Kims Gewicht sank demnach von rund 140 auf 120 Kilogramm. Seine Größe wurde mit 1,70 Meter angegeben. Der Machthaber wirke auf den Aufnahmen aber trotz 20 Kilogramm weniger gesund. Der Gewichtsverlust sei vermutlich das Ergebnis von Bemühungen Kims, schlanker zu werden.

Und: Kim ist in diesem Jahr offenbar aktiver als zuvor. So habe er 2021 bereits an 70 Tagen an Terminen in der Öffentlichkeit teilgenommen – was im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr einem Anstieg um 45 Prozent entspreche.

Kim ließ angeblich Bilder vom Vater und Großvater abhängen

Es war in südkoreanischen Medien auch spekuliert worden, dass Kim wegen eines schlechten Gesundheitszustands bei öffentlichen Auftritten bereits von einem Double ersetzt worden sei. Der NIS wies solche Gerüchte aber als falsch zurück.

Der Geheimdienst berichtete jedoch von offensichtlichen Bemühungen Kims, nach zehn Jahren an der Macht in Pjöngjang seine Position zu festigen. So habe er Fotos seines verstorbenen Vaters Kim Jong Il und Großvaters Kim Il Sung aus einem Konferenzraum der Arbeiterpartei entfernen lassen. Beide hatten zuvor jahrzehntelang regiert.

Nordkorea habe auch damit begonnen, für seine Politik den Begriff »Kimjongunismus« zu verwenden – eine nach dem seit zehn Jahren regierenden jungen Machthaber benannte Ideologie. Sie sollen die bisher verwendeten Begriffe »Kimjongilismus« und »Kimilsungismus« ablösen, die nach dem Vater und Großvater so bezeichnet wurden.

Offiziell gibt es keinen Nachfolger im Regime für Kim Jong Un. Zuletzt trat seine jüngere Schwester Kim Yo Jong häufiger in der Öffentlichkeit auf (lesen Sie hier ein Porträt ). Der Machtzuwachs sei offensichtlich, glaubt zum Beispiel Lim Jae-cheon von der Korea-Universität. Hinzu komme, dass Kim Jong Uns ältestes Kind, das um 2010 herum geboren wurde, noch zu jung sei, um den Vater früh zu beerben.

als
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.