Weltweite Ausbeutung Arbeit statt Kindheit

Millionen Kinder auf der ganzen Welt müssen tagtäglich schwere und gefährliche Arbeiten verrichten, um sich selbst und ihren Familien das Überleben zu sichern. Der Fotograf Luca Catalano Gonzaga hat die Kinderarbeit dokumentiert.
Von Tim van Olphen und Luca Catalano Gonzaga (Fotos)
Ein vierjähriger Junge bereitet Ziegelsteine vor, bevor sie im Ofen gebrannt werden

Ein vierjähriger Junge bereitet Ziegelsteine vor, bevor sie im Ofen gebrannt werden

Foto:

Luca Catalano Gonzaga

Globale Gesellschaft

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Vier Kilogramm wiegen die Ziegelsteine, die die Jungen und Mädchen auf ihren Köpfen oder Schultern transportieren. Zwölf Stunden am Tag müssen sie in einer der Ziegelbrennereien im Kathmandutal in Nepal arbeiten, um zumindest etwas Geld für ihre Familien zu verdienen. Sogar die Kleinsten formen die lehmig-wässrige Masse in Holzkästen zu Steinen und legen sie zum Trocknen zusammen, bevor sie in den heißen Öfen gebrannt werden.

Tagein, tagaus müssen Minderjährige auf der ganzen Welt mitanpacken, um sich und ihren Eltern das Überleben zu sichern. Aus dem Kinderarbeitsreport 2019  der Kinderschutzorganisation Terre des Hommes geht hervor, dass weltweit 152 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten müssen - fast die Hälfte von ihnen (rund 73 Millionen) unter Bedingungen, die ausbeuterisch und gefährlich sind. Oft an Orten, die für Kinder eigentlich tabu sein müssten wie Bergbauminen im Kongo, in Steinbrüchen in Burkina Faso oder auf Baumwollfeldern und in Ziegelsteinfabriken in Nepal oder Indien.

Die meisten der von Kinderarbeit betroffenen Mädchen und Jungen leben laut der Studie von Terre des Hommes in Afrika (72 Millionen) und Asien (62 Millionen). Mehr als 70 Prozent der Kinder seien in der Landwirtschaft tätig. 48 Prozent der Kinderarbeiter sind unter zwölf Jahre alt. Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation  (ILO) zufolge ist weltweit fast jedes zehnte Kind von Kinderarbeit betroffen.

Profiteure der Kinderausbeutung sind vor allem westliche Industriestaaten. Führende Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony - aber auch deutsche Automobilkonzerne wie BMW, Daimler oder Volkswagen sind nach Angaben von Amnesty International indirekt Nutznießer der Kinderarbeit in den Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Mädchen und Jungen werden dabei ihrer Kindheit, ihrer Ausbildung und ihrer Entwicklung beraubt: Laut international gültigen Kinderrechten (Kinderrechtskonvention , 1989) ist die Arbeit verboten, die gefährlich oder ausbeuterisch ist, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigt oder die Kinder vom Schulbesuch abhält.

Sehen Sie in der Fotostrecke, welche Arbeiten die Jungen und Mädchen verrichten müssen, um ihren Familien das Überleben zu sichern:

Fotostrecke

Arbeiten, um zu überleben

Foto: Luca Catalano Gonzaga

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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