Kirgisistan Demonstranten stürmen offenbar Regierungssitz und befreien den Ex-Präsidenten

Seit der Wahl am Wochenende gibt es in Kirgisistan heftige Proteste. Nun wurde offenbar Ex-Präsident Almasbek Atambajew aus einem Gefängnis geholt. In der Hauptstadt soll das Haupt-Regierungsgebäude besetzt worden sein.
Proteste in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek (Foto vom Montag)

Proteste in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek (Foto vom Montag)

Foto: IGOR KOVALENKO/EPA-EFE/Shutterstock

Demonstranten haben im zentralasiatischen Kirgisistan nach der Parlamentswahl offenbar den Sitz der Regierung in der Hauptstadt Bischkek unter ihre Kontrolle gebracht. Einige von ihnen sollen Berichten zufolge auch in das Weiße Haus vorgedrungen sein, in dem sich das Büro von Staatschef Sooronbaj Dscheenbekow und das Parlament befinden. Das meldete die Nachrichtenagentur Akipress.

Zudem soll der inhaftierte Ex-Präsident Almasbek Atambajew von Anhängern aus einem Gefängnis des Komitees für Nationale Sicherheit befreit worden sein. Ein Aktivist sagte der Nachrichtenagentur AFP, regierungskritische Protestteilnehmer hätten Atambajew "ohne Gewalt und ohne Nutzung von Waffen" aus seiner Zelle geholt.

Der 64-jährige Atambajew war im Juni wegen Korruption zu rund elf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll während seiner Amtszeit unter anderem einem verurteilten Kriminellen zur Flucht verholfen haben.

Mutmaßliche Wahlfälschung löste Proteste aus

Die Ausschreitungen in der Ex-Sowjetrepublik hatten am Montag begonnen, als Tausende wegen mutmaßlicher Manipulationen bei der Parlamentswahl vom Wochenende auf die Straßen gingen.

Kirgisistan galt zwischenzeitlich als Insel der Demokratie inmitten autoritärer Staaten in Zentralasien. Zuletzt war im Juli jedoch ein Menschenrechtsaktivist in einem Gefängnis ums Leben gekommen, wohl weil er trotz schwerer Krankheit keine medizinische Versorgung erhielt. Bei der Wahl am Sonntag soll es zu Manipulationen wie Stimmenkauf gekommen sein.

Mehr als hundert Verletzte nach schweren Krawallen

Bei den Protesten waren zuletzt etliche Menschen über Zäune zum Parlamentsgebäude geklettert, andere steckten Autos in Brand. Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Protestierenden ein. Laut Berichten soll es bei den Zusammenstößen mehr als hundert Verletzte gegeben haben.

Ex-Präsident Atambajew hatte das verarmte Land von 2011 bis 2017 geführt. 2019 lieferten sich seine Anhänger bei der Festnahme Straßenschlachten mit Sicherheitskräften.

fek/dpa/AFP
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