Kolumbien ELN-Guerilla bestreitet von Präsident verkündete Waffenruhe

Die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee ELN verübt im Osten Kolumbiens mit ihren 5000 Mann unter Waffen Anschläge und nimmt Geiseln. Und damit ist vorerst auch nicht Schluss – entgegen der Behauptung aus Bogotá.
Kolumbiens Präsident Gustavo Petro

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro

Foto: LUISA GONZALEZ / REUTERS

Die kolumbianische Guerillaorganisation ELN hat die Darstellung der Regierung über einen Waffenstillstand dementiert. »Die Verhandlungsdelegation der ELN hat mit der Regierung von Gustavo Petro keinen Vorschlag für einen bilateralen Waffenstillstand erörtert, sodass es in dieser Frage noch keine Einigung gibt«, teilte das Oberkommando der Rebellengruppe am Dienstag mit.

Kolumbiens Präsident Petro hatte am Wochenende mitgeteilt, seine Regierung habe mit mehreren bewaffneten Gruppen des südamerikanischen Landes eine Waffenruhe bis Ende Juni vereinbart, darunter auch mit der ELN. Ende November hatte die Regierung nach fast vier Jahren Pause wieder Friedensgespräche mit den Rebellen aufgenommen.

»Ein einseitiges Dekret der Regierung kann nicht als Übereinkunft akzeptiert werden«

»Wir haben mehrfach klargemacht, dass die ELN sich nur an Vereinbarungen hält, die am Verhandlungstisch diskutiert und getroffen werden«, hieß es in der Mitteilung der linken Guerilla. »Ein einseitiges Dekret der Regierung kann nicht als Übereinkunft akzeptiert werden.« Die Verlautbarung der Regierung zu dem Waffenstillstand werde als Vorschlag gewertet, der bei der nächsten Verhandlungsrunde diskutiert werden könne.

Die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat rund 5000 Kämpfer. Die Organisation orientierte sich zunächst stark am kubanischen Sozialismusmodell, später schlossen sich viele von der Befreiungstheologie geprägte Geistliche der Gruppe an. Sie verübt vor allem im Osten Kolumbiens Anschläge und nimmt Geiseln.

Kolumbien litt 52 Jahre lang unter einem Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär. 220.000 Menschen kamen ums Leben, Millionen wurden vertrieben. Zwar hat sich die Sicherheitslage nach dem Friedensabkommen 2016 zwischen der Regierung und der größten Rebellengruppe Farc verbessert, allerdings werden noch immer Teile des südamerikanischen Landes von illegalen Gruppen kontrolliert.

dop/dpa

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