Konflikt mit Kosovo Serbien versetzt Armee in Alarmbereitschaft

In der Auseinandersetzung mit dem Kosovo ordnet Serbien für seine Soldaten »höchste Kampfbereitschaft« an. Der Armeechef spricht von einer »komplizierten Lage«.
Serbische Soldaten (Foto vom September 2021): »Höchste Kampfbereitschaft«

Serbische Soldaten (Foto vom September 2021): »Höchste Kampfbereitschaft«

Foto: IRFAN LICINA / AFP

Die Spannungen zwischen Kosovo und Serbien haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Das führt nun dazu, dass die serbische Regierung ihre Armee in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Präsident Aleksandar Vučić habe »höchste Kampfbereitschaft« angeordnet, teilte Serbiens Verteidigungsminister Miloš Vučević am Montagabend mit. Zuvor hatte Armeechef Milan Mojsilović bereits erklärt, er sei angesichts der »komplizierten Lage« von Vučić an die Grenze zum Kosovo entsandt worden.

Das Kosovo mit seiner mehrheitlich albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als abtrünniges Gebiet betrachtet. Trotz Vermittlungsbemühungen der EU liegen die Nachbarländer seit Jahren im Streit. Belgrad bestärkt die serbische Minderheit im Norden des Kosovo beim Versuch, sich der Autorität Pristinas zu widersetzen.

Hunderte Kosovo-Serben blockieren seit Wochen mit Straßensperren den Verkehr im Norden des Kosovo. Nächtliche Schüsse auf Polizisten und ein Angriff auf Einsatzkräfte der EU-Mission Eulex mit einer Blendgranate hatten international Besorgnis ausgelöst.

Angebliches Feuergefecht

Kurz bevor der Armeechef in das Grenzgebiet aufgebrochen war, hatten mehrere serbische Medien ein in Onlinenetzwerken geteiltes Video verbreitet, in dem Gewehrsalven zu hören waren. Ihnen zufolge handelte es sich dabei um Kämpfe, die am frühen Sonntagabend stattgefunden haben sollen. Die kosovarischen Streitkräfte hätten angeblich versucht, eine zuvor von Serben errichtete Barrikade abzubauen.

Dies wurde umgehend von der kosovarischen Polizei dementiert. Auf ihrer Facebook-Seite teilte sie mit, keiner ihrer Mitarbeiter sei an einem etwaigen Feuergefecht beteiligt gewesen. Stattdessen habe sich kosovarischen Medien zufolge eine Patrouille der Kosovo-Friedenstruppe (KFOR) in der Schusszone befunden. Die Nato-geführte Mission hatte erst vor wenigen Tagen ihre Präsenz in der Region verstärkt.

Serbiens Regierungschefin Ana Brnabić warnte jüngst vor einer Eskalation der Situation. Beide Länder stünden »wirklich am Rande bewaffneter Konflikte«, sagte sie. Für die Spannungen machte Brnabić die Regierung in Pristina verantwortlich.

Die EU versucht seit Jahren, zur Klärung des Verhältnisses zwischen den beiden Nachbarn beizutragen. Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Mehr als hundert Länder, darunter Deutschland, erkennen die Unabhängigkeit an. Andere, darunter Serbien, Russland und China, aber auch fünf EU-Länder, tun dies nicht.

ptz/AFP/AP
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