Gericht in Den Haag Kosovo-Tribunal verurteilt frühere UÇK-Veteranenanführer zu viereinhalb Jahren Haft

Sie schüchterten Zeugen ein und veröffentlichten vertrauliche Dokumente: Nun hat ein Sondertribunal entschieden, dass zwei Anführer der Veteranen-Organisation der albanischen Miliz UÇK ins Gefängnis müssen.
Verurteilter UÇK-Veteranenanführer Nasim Haradinaj: »Kriminell und nicht patriotisch«

Verurteilter UÇK-Veteranenanführer Nasim Haradinaj: »Kriminell und nicht patriotisch«

Foto: Piroschka Van de Wouw / REUTERS

Das unter anderem von der EU gestützte Sondertribunal für den Kosovokrieg in Den Haag hat erstmals ein Urteil gesprochen: Es verurteilte zwei Anführer einer Veteranenorganisation der früheren Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) unter anderem wegen Einschüchterung von Zeugen zu jeweils viereinhalb Jahren Gefängnis.

Hysni Gucati, ehemaliger Vorsitzender des UÇK-Veteranenverbands, und sein Stellvertreter Nasim Haradinaj veröffentlichten nach Ansicht des Tribunals Hunderte Namen von Zeugen und möglichen Zeugen und beschimpften diese auch als »Verräter«, »Spione« und »Kollaborateure«. »Im Kontext des langandauernden Klimas von Zeugeneinschüchterung im Kosovo« wollten sie damit demnach die Zeugen von einer Aussage gegen frühere Mitglieder der Miliz abhalten, befand das Tribunal.

Beide Männer hätten auch die Arbeit des Gerichts behindert und vertrauliche Dokumente veröffentlicht. »Dieses Urteil stellt die Taten eindeutig als das dar, was sie sind: kriminell und nicht patriotisch«, sagte der Vorsitzende Richter Charles Smith bei der Urteilsverkündung. Gucati und Haradinaj hatten zuvor ihre Unschuld beteuert.

Tribunal wird größtenteils von der EU finanziert

Das größtenteils von der Europäischen Union, aber auch den USA und weiteren Staaten finanzierte Gericht ist Teil des kosovarischen Justizsystems, doch besetzt mit internationalen Richtern und Anklägern. Wegen Gefahren für Zeugen war es nach Den Haag verlegt worden.

Im Kosovokrieg (1998–1999) hatten Kosovo-Albaner für die Unabhängigkeit von Serbien gekämpft. Mehr als 10.000 Menschen, vorwiegend Albaner, waren getötet worden. Etwa eine Million Menschen wurden vertrieben. Erst nach Luftangriffen der Nato hatte Serbien sich zurückgezogen. Das Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit. Verbrechen serbischer Politiker und Militärs waren vom Uno-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag verfolgt worden.

Weitere Urteile könnten folgen

Es ist das erste Urteil des Tribunals, das auf internationalen Druck 2015 errichtet worden war. Es soll Kriegsverbrechen verfolgen, die der UÇK angelastet werden. Seit Herbst 2021 muss sich der Ex-UÇK-Kommandant Salih Mustafa unter anderem wegen Folter und Mordes an Gefangenen verantworten.

Das Gericht will auch Ex-UÇK-Präsident Hashim Thaçi wegen Mordes, Folter und Verfolgung den Prozess machen (lesen Sie hier mehr dazu). Thaçi war nach der Anklage im Sommer 2020 als Präsident des Kosovo zurückgetreten.

fek/dpa/AFP