Eklat an der Grenze Kosovo weist Laster mit Stimmzetteln aus Serbien ab

Die serbische Minderheit im von Albanern dominierten Kosovo sollte die Chance zur Wahl in Serbien bekommen. Doch Lkw mit Stimmzetteln und einem Wahlbeamten wurden von kosovarischen Grenzpolizisten gestoppt.
Kosovarische Polizisten bei einem Grenzübergang zu Serbien vor der Wachablösung ihrer Kollegen

Kosovarische Polizisten bei einem Grenzübergang zu Serbien vor der Wachablösung ihrer Kollegen

Foto: Visar Kryeziu / dpa

Die kosovarische Polizei hat einem serbischen Wahlbeamten sowie zwei Lastwagen mit Stimmzetteln für ein Referendum in Serbien die Einreise in das Balkanland verwehrt. Der Beamte und drei Fahrer wurden am Grenzübergang Merdare vor ihrer Zurückweisung kurzzeitig festgenommen, die Stimmzettel beschlagnahmt, sagte der Direktor der serbischen Kosovo-Kanzlei, Petar Petkovic, am Samstag im staatlichen Fernsehen RTS.

Zu dem Zwischenfall nahm die Polizei im Kosovo bislang nicht Stellung, berichteten Medien in der Hauptstadt Pristina.

Am kommenden Sonntag (16. Januar) findet in Serbien ein Referendum über Verfassungsänderungen statt, die darauf abzielen, den Einfluss der Politik auf die Justiz zu mindern. Damit soll den Anforderungen eines zukünftigen EU-Beitritts entsprochen werden.

Die mehr als 100.000 ethnischen Serben im Kosovo sind im Prinzip wahlberechtigt. Die Führung in Pristina stellte allerdings klar, dass sie ihr Wahlrecht nur über Briefwahl oder durch Stimmabgabe im serbischen Verbindungsbüro in Pristina ausüben können. Serbien wollte im Norden des Kosovos, im kompakten Siedlungsgebiet der Kosovo-Serben, eigene Wahllokale einrichten.

Belgrad erkennt die Eigenstaatlichkeit des Kosovos nicht an. Die ehemals serbische Provinz ist heute nahezu ausschließlich von Albanern bevölkert. 2008 hatte sie ihre Unabhängigkeit erklärt, die von mehr als hundert Staaten, darunter Deutschland, anerkannt wurde.

Der Graben zwischen beiden Seiten ist tief. Erst im Oktober hatte Serbien Boxern aus dem Kosovo die Einreise zur Weltmeisterschaft des Amateur-Weltverbands Aiba in Belgrad verwehrt, weil sie Trainingsanzüge mit den kosovarischen Staatssymbolen trugen.

Das Referendum am Sonntag stößt unterdessen in Serbien auf wenig Interesse. Unabhängige Experten wiesen darauf hin, dass die zur Abstimmung stehenden Verfassungsänderungen eher kosmetischer Natur seien.

kig/dpa
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