Kremlkritiker Nawalny auf Intensivstation - offenbar vergiftet

Alexej Nawalny ist einer der bekanntesten Oppositionspolitiker Russlands. Mehrfach wurde er festgenommen. Nun teilte seine Sprecherin mit, dass er vergiftet worden sei - er muss offenbar beatmet werden.
Nawalny auf einer Demo im Juli 2019

Nawalny auf einer Demo im Juli 2019

Foto: Pavel Golovkin/dpa

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny liegt auf der Intensivstation. Nach Angaben seiner Sprecherin Kira Jarmysch wurde er mit Vergiftungserscheinungen bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Sie teilte dies am Donnerstagmorgen bei Telegram und Twitter mit. Laut ihren Angaben wird er beatmet. Auf ihre Forderung hin sei die Polizei gerufen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass Nawalny in kritischem Zustand sei. Die Agentur berief sich auf den Chefarzt des Krankenhauses, in dem er behandelt wird.

Jarmysch teilte mit, der Arzt habe versprochen, die Testergebnisse bis 10 Uhr morgens vorzulegen. Nun habe sich dieser Zeitpunkt um zwei Stunden verschoben. Jarmysch schrieb, der Arzt im Krankenhaus weigere sich mit Nawalnys behandelnder Ärztin, Anastasia Vasilyeva, zu sprechen. Zuvor hatte Jarmysch geschrieben, dass ein Flugzeug mit dem 44-Jährigen an Bord in der sibirischen Großstadt Omsk zwischengelandet sei, dann sei Nawalny ins Krankenhaus gebracht worden. Auf den prominenten Anti-Korruptions-Kämpfer hatte es in der Vergangenheit immer wieder Anschläge gegeben.

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Nach Angaben von Jarmysch hat er womöglich einen vergifteten Tee getrunken. Das Flugzeug mit Nawalny an Bord sei am Donnerstag auf dem Weg von Tomsk nach Moskau in Omsk wegen des Notfalls gelandet. Er habe sich unterwegs schlecht gefühlt. Tee sei das einzige gewesen, was er zu sich genommen habe. "Ich bin sicher, dass er absichtlich vergiftet wurde", sagte Jarmysch dem Radiosender Echo Moswky.

Nawalny ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Er organisierte in den vergangenen Jahren in Russland auch immer wieder landesweite Proteste. Seinem Aufruf folgten dabei Zehntausende - vor allem junge Menschen. Der Oppositionelle werde dabei von den Behörden an seiner Arbeit gehindert, betonte er regelmäßig. Immer wieder gibt es Razzien in seinen Büros. 2017 wurde der Oppositionelle durch eine Farb-Attacke schwer am Auge verletzt. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und später in Spanien operiert.

Nawalny musste vor einem Jahr während seiner Freiheitsstrafe in einem Krankenhaus angeblich wegen eines Allergieschocks behandelt werden. Nawalny betonte damals, dass er vergiftet worden sein könnte. In Russland waren mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu in der Vergangenheit immer wieder ein Thema. Der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn 2018 in Moskau vergiftet zu haben. Er wurde in Berlin behandelt. Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden.

höh/heb/dpa/AFP
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