Militärische Unterstützung Deutschland will weitere Waffen an die Ukraine liefern

Einige Hundert Panzerfäuste und Boden-Luft-Raketen hat Deutschland bereits in die Ukraine geschickt. Nun will die Bundesregierung ihr Engagement ausweiten – und muss dafür offenbar Waffen zukaufen.
Bundeswehrsoldat mit »Panzerfaust 3«

Bundeswehrsoldat mit »Panzerfaust 3«

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

Deutschland wird der von Russland attackierten Ukraine weitere Waffen liefern. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Hebestreit sollen sich die Lieferungen an dem orientieren, was Deutschland bisher bereits zur Verfügung gestellt hat.

Die Regierung hatte nach der russischen Invasion angekündigt, die ukrainische Armee unter anderem mit 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ »Stinger« aus Bundeswehrbeständen zu unterstützen. Die Zusage der Lieferungen in ein Kriegsgebiet hatte eine Kehrtwende in der deutschen Verteidigungspolitik markiert.

Kurz darauf wollte Deutschland weitere 2700 Flugabwehrraketen des Typs »Strela« in die Ukraine schaffen. Da die Waffen jedoch zum Teil erhebliche Mängel  aufweisen, sind nach SPIEGEL-Informationen aber nur noch maximal 2000 der Raketen einsetzbar. Die Waffen stammen noch aus DDR-Beständen. Die Ukraine teilte zuletzt mit, bislang 500 »Strela«-Raketen erhalten zu haben.

Im März hatte Kiew bei der Bundesregierung weitere Waffen erbeten. Dabei ging es unter anderem um verschiedene Panzer, Artilleriesysteme und Drohnen und Kampfjets. Zudem fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seit Längerem eine Flugverbotszone über der Ukraine. Die Bundesregierung und die Nato lehnen dies ab, weil dann zu befürchten wäre, dass es wegen direkter Kämpfe zwischen russischen und Nato-Einheiten zu einer Ausweitung des Krieges über die Grenzen der Ukraine hinaus käme.

Bundeswehrbestände offenbar ausgeschöpft

Regierungssprecher Hebestreit verwies auf Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). Diese habe gesagt, dass man entsprechende Waffen direkt bei Rüstungskonzernen bestellen könne. Lambrecht hatte erklärt, aus Bundeswehrbeständen könne kein weiteres Material geliefert werden. Wie viel Geld die Bundesregierung für solche Waffenkäufe für die Ukraine ausgeben will, sagte der Regierungssprecher nicht.

Lambrecht hatte am Sonntag die Verschwiegenheit der Bundesregierung im Zusammenhang mit den Lieferungen verteidigt. »Wir reden nicht öffentlich darüber«, sagte Lambrecht in der Talkshow »Anne Will«. Unklar bleibt damit auch der Zeithorizont möglicher weiterer Lieferungen.

Bei den ersten Lieferungen seien Abfahrtsdaten und Wege bekannt gegeben worden, sagte Lambrecht weiter. Die am Transport beteiligten Personen seien dadurch einer Lebensgefahr ausgesetzt worden. »Und aus dem Grund werden wir weder über die Zahl der Waffen noch wann sie geliefert werden noch auf welchem Wege öffentlich sprechen. Weil wir wollen, dass die Waffen dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden.«

fek/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.