Russischer Vormarsch Heftige Kämpfe um ukrainische Großstadt Charkiw

Russland ist nach eigenen Angaben in die zweitgrößte Stadt der Ukraine eingedrungen, die Ukraine will den Vorstoß zurückgeschlagen haben. Derweil möchte Präsident Selenskyj eine internationale Freiwilligentruppe aufbauen.
Beschädigtes Wohnhaus in Charkiw (Aufnahme vom 26.2.2022)

Beschädigtes Wohnhaus in Charkiw (Aufnahme vom 26.2.2022)

Foto: Vyacheslav Madiyevskyy / imago images/Ukrinform

Nach Kiew ist die Charkiw mit rund 1,4 Millionen Bewohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Hier, im Nordosten des Landes, will die russische Armee nach eigenen Angaben wichtige Erfolge gefeiert haben.

Demnach sind die russischen Truppen am Sonntag bis ins Zentrum Charkiws vorgedrungen. Die Kämpfe dauerten an, bestätigte der Gouverneur der gleichnamigen Region im Nordosten der Ukraine, Oleg Sinegubow, auf Facebook. Er rief die Einwohner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Das Ausmaß eines möglichen russischen Erfolgs lässt sich bisher nicht mit unabhängigen Quellen überprüfen. Inzwischen hat Gouverneur Oleg Sinegubow am Sonntagnachmittag vermeldet, die ukrainischen Truppen hätten den russischen Vorstoß zurückgeschlagen; Charkiw sei wieder »vollständig« unter ukrainischer Kontrolle.

Russland hatte am Donnerstagmorgen mit dem Großangriff auf die Ukraine begonnen. Russische Bodentruppen waren anschließend binnen wenigen Stunden bis in den Großraum Kiew vorgedrungen, stießen bei ihrem Vormarsch aber bisher auf heftigeren Widerstand als erwartet.

Fotostrecke

Kampf um Charkiw

Foto: Andrew Marienko / dpa

Die Kämpfe in Charkiw begannen am Sonntagmorgen und betrafen mehrere Orte im Stadtgebiet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete von heftigen Straßengefechten. Seit dem Vormittag seien Maschinengewehrfeuer und Explosionen zu hören. Er habe zudem mehrere verlassene russische Panzerfahrzeuge und ein ausgebranntes Wrack gesehen, berichtete der Reporter. Die Straßen waren menschenleer.

471 Gefangene: Angeblich kapitulierte ein ganzes Regiment

Nach Darstellung der ukrainischen Agentur Unian ist auch eine Gasleitung bei Charkiw in Flammen aufgegangen. Sie soll von russischen Truppen gesprengt worden sein. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Leitungen handelt. Auch diese Angaben konnten sich noch nicht von unabhängiger Seite prüfen lassen.

Bereits am Samstag hatten russische Stellen gemeldet, im Raum Charkiw habe sich sogar ein ganzes ukrainisches Regiment ergeben, das mit Boden-Luft-Raketenabwehrsystemen vom Typ Buk-M1 ausgerüstet gewesen sei. 471 Soldaten seien dabei gefangen genommen worden.

Auch im Süden der Ukraine soll die russische Armee am Sonntag nach eigenen Angaben auf zwei Großstädte vorgerückt sein: Cherson und Berdjansk. »In den vergangenen 24 Stunden haben die russischen Streitkräfte die Städte Cherson und Berdjansk vollständig eingeschlossen«, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Cherson hat 290.000, Berdjansk 110.000 Einwohner. Nach Angaben des Sprechers haben russische Soldaten auch die Kontrolle über Henitschesk übernommen, einer Hafenstadt am Asowschen Meer.

Selenskyj will freiwillige Kämpfer aus dem Ausland

Derweil hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, dass sein Land eine »internationale« Truppe mit Freiwilligen aus dem Ausland aufstellen will. »Dies wird ein entscheidender Beleg für Ihre Unterstützung für unser Land sein«, teilte Selenskyj in einer Erklärung mit.

cgu/afp/dpa/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.