Krieg in der Ukraine Scholz und Macron fordern Putin zu Gesprächen mit Selenskyj auf

Bundeskanzler Scholz und Frankreichs Präsident Macron haben Russlands Machthaber Putin in einem Telefonat zu »direkten ernsthaften Verhandlungen« mit Wolodymyr Selenskyj aufgerufen. Der Kremlchef nannte Bedingungen für mehr Getreideexporte.
Russlands Präsident Putin: 80-minütiges Gespräch mit Scholz und Macron

Russlands Präsident Putin: 80-minütiges Gespräch mit Scholz und Macron

Foto: Mikhail Metzel / Sputnik / EPA

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonnabend 80 Minuten lang über den Krieg in der Ukraine gesprochen. In dem Telefonat forderten sie Putin auf, »direkte, ernsthafte Verhandlungen« mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj aufzunehmen, wie das Kanzleramt mitteilte. Der Bundeskanzler und der französische Präsident drängten demnach zudem auf einen sofortigen Waffenstillstand und einen Rückzug der russischen Truppen.

Einem Bericht der britischen BBC  zufolge sagte Putin, Russland sei offen für eine Wiederaufnahme des Dialogs.

Gespräche über Getreidekrise

Weiteren Angaben des Kreml zufolge zeigte Putin offenbar die Möglichkeit auf, den Export ukrainischen Getreides nicht weiter zu behindern. Allerdings verband er dies mit Bedingungen und forderte, der Westen solle die Sanktionen gegen sein Land lockern.

Russland sei bereit, Möglichkeiten »für einen Getreideexport ohne Hemmnisse zu finden«, sagte Putin nach Kremlangaben in dem Telefonat mit Scholz und Macron. Dies betreffe auch ukrainisches Getreide in Schwarzmeerhäfen, fügte Putin den Angaben zufolge hinzu.

»Eine Erhöhung der Lieferungen von russischem Dünger und landwirtschaftlichen Produkten wird auch dabei helfen, die Spannungen auf dem globalen Nahrungsmittelmarkt zu verringern«, hieß es in der Kremlerklärung zu dem Telefonat. Dies erfordere »natürlich die Streichung der entsprechenden Sanktionen«.

Die Ukraine ist ein wichtiger Lieferant für den weltweiten Ernährungsmarkt. Der russische Angriffskrieg hat allerdings die Ausfuhren einbrechen lassen, mit gravierenden Folgen (mehr dazu lesen Sie hier ). Für den Kreml liegt die Schuld für die Ernährungskrise bei den westlichen Regierungen: Die »antirussischen Sanktionen« sowie eine »fehlgeleitete Wirtschafts- und Finanzpolitik der westlichen Länder« seien die Ursache für die Lebensmittelkrise.

Bereits am Donnerstag hatte Putin in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi laut Kreml erklärt, Moskau sei bereit, »durch den Export von Getreide und Düngemitteln einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise zu leisten, sofern die politisch motivierten Beschränkungen des Westens aufgehoben werden«.

»Für eine Verbesserung der humanitären Lage«

Die Bundesregierung bestätigte das Telefonat von Scholz und Macron mit Putin. Das Gespräch habe auf Initiative des Kanzlers und des französischen Präsidenten stattgefunden, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit. Sie machten demnach Russland für die besonders angespannte Lage bei der globalen Lebensmittelversorgung verantwortlich.

Putin versicherte nach Angaben der Bundesregierung, den Getreideexport aus der Ukraine insbesondere auf dem Seeweg ermöglichen zu wollen. Der Kremlchef habe zudem zugesagt, dass es von Russland »nicht für Angriffshandlungen missbraucht« werde, wenn der zum Schutz ukrainischer Häfen gelegte Minengürtel für den Getreideexport geöffnet werde.

Laut Bundesregierung haben Scholz und Macron bei dem Gespräch auch »auf einen sofortigen Waffenstillstand und einen Rückzug der russischen Truppen« gedrängt und Putin zudem zu »ernsthaften direkten Verhandlungen« mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgefordert. Nach Kremlangaben warnte Putin den Westen vor weiteren Waffenlieferungen.

Scholz und Macron verlangten von Putin zudem, etwa 2500 ukrainische Kämpfer freizulassen, die sich nach wochenlangen Kämpfen im Asow-Stahlwerk in Mariupol ergeben hatten.

sol/dpa/AFP