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Gegenschlag auf Hafenstadt Russland evakuiert weiter in Kursk und attackiert Odessa

Kiew jubelt über den ukrainischen Vorstoß in russisches Gebiet und will vor Ort humanitäre Korridore für Flüchtende einrichten. Der Kreml reagiert mit weiteren Evakuierungswellen. Und schickte eine Rakete gen Odessa.
Ein russischer T-72-Panzer wird außerhalb der Stadt Sudscha bewegt: Neue Evakuierungen begonnen

Ein russischer T-72-Panzer wird außerhalb der Stadt Sudscha bewegt: Neue Evakuierungen begonnen

Foto: Anatoliy Zhdanov / AFP

Inmitten des ukrainischen Vorstoßes im russischen Staatsgebiet hat Russlands Militär einen Gegenangriff auf die Hafenstadt Odessa versucht. Ukrainischen Angaben zufolge sei die Hafenstruktur der wichtigen ukrainischen Schwarzmeerstadt beschossen worden. Laut regionalen Behörden wurden dabei am späten Mittwochabend mindestens zwei Personen verletzt. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Bei den beiden Verletzten handelt es sich der Generalstaatsanwaltschaft zufolge um einen Hafenmitarbeiter und einen Fahrer von Getreidetransporten. Russland habe bei der Attacke eine ballistische Rakete eingesetzt, ergänzt der zuständige Gouverneur Oleh Kiper.

Zudem seien weitere Angriffe auf mehrere Regionen im Land aus der Luft abgewehrt worden. Sämtliche 29 von Russland gestarteten Drohnen seien in der Nacht zum Donnerstag abgeschossen worden, meldete die ukrainische Luftwaffe. Russland habe auch drei gelenkte Ch-59-Raketen abgefeuert, heißt es weiter. Es habe nur kleinere Schäden gegeben. Die Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden.

Die Angriffe kommen nur wenige Tage nach dem überraschenden Vormarsch ukrainischer Streitkräfte in die russische Grenzregion Kursk. Ukrainische Truppen sind vor knapp zwei Wochen in russisches Gebiet eingedrungen  und besetzen dort nach eigenen Angaben mittlerweile ein Gebiet von mehr als 1000 Quadratkilometern. Mehr als 100 russische Soldaten seien nach dem jüngsten Vormarsch gefangengenommen worden, heißt es aus Kiew. Zuletzt hätten ukrainische Truppen die russische Grenzstadt Sudscha von Moskaus Streitkräften »befreit«.

»Wir setzen unseren Vormarsch in der Region Kursk fort«

Nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj erreiche die Ukraine ihre strategischen Ziele bei ihrem Vorstoß in Kursk. Man sei am Mittwoch gut vorangekommen, erklärt Selenskyj in seiner nächtlichen Ansprache auf Telegram: »Wir setzen unseren Vormarsch in der Region Kursk fort.« Es gehe darum, in der Region eine Pufferzone zu errichten.

Iryna Wereschtschuk, stellvertretende Ministerpräsidentin der Ukraine, äußerte sich ebenfalls auf Telegram zu den Zielen im russischen Gebiet. Demnach bereite ihr Land »Sicherheitszonen« in der russischen Oblast Kursk vor. Damit wolle das Land humanitäre Hilfe und einen Fluchtkorridor für Zivilistinnen und Zivilisten errichten, die entweder nach Russland oder in die Ukraine gelangen möchten, schrieb Wereschtschuk. Zudem solle humanitären Organisationen der Zugang zu dem Gebiet ermöglicht werden. Wie aus ukrainischen Regierungskreisen verlautete, zählten dazu wahrscheinlich das Rote Kreuz und die Vereinten Nationen.

Russland selbst regiert mit weiteren Evakuierungen auf den ukrainischen Vorstoß, zuletzt im Bezirk Gluschkow. Der amtierende Gouverneur Alexej Smirnow teilte über den Nachrichtendienst Telegram mit, dass die Polizei und andere staatliche Stellen die Evakuierung koordinieren werden. In dem Bezirk, der direkt an die Ukraine grenzt, leben rund 20.000 Menschen. Aus der gesamten Region Kursk wurden bereits mindestens 200.000 Menschen evakuiert.

mrc/Reuters