Krieg in der Ukraine Russland setzt Beschuss auf Region Charkiw fort

Russland hat seine Truppen aus dem Gebiet Charkiw abgezogen, attackiert die Region aber weiterhin. Zwei Frauen und ein Mädchen sollen ums Leben gekommen sein.
Zerstörtes Haus in Isjum: Beschuss in Charkiw dauert an

Zerstörtes Haus in Isjum: Beschuss in Charkiw dauert an

Foto: Vyacheslav Madiyevskyy / Ukrinform / IMAGO

Auch nach dem Abzug der russischen Truppen aus dem Gebiet Charkiw vor gut einer Woche geht der Beschuss in der Region nach ukrainischen Angaben weiter. Der Feind habe die befreiten Städte Isjum und Tschuhujiw massiv beschossen, es seien Wohn- und Geschäftsgebäude sowie Tankstellen und Produktionsanlagen zerstört worden, teilt der ukrainische Gebietsgouverneur Oleh Sinegubow in seinem Blog im Nachrichtendienst Telegram mit.

In Tschuhujiw sei ein elf Jahre altes Mädchen durch den Beschuss getötet worden. Bei einer Autofahrt in der Region seien zudem zwei Frauen von einem Panzergeschoss tödlich verletzt worden.

60 Leichen bislang aus dem Massengrab von Isjum geborgen

Sinegubow informierte am Vorabend auch darüber, dass an der Massengrabstätte in einem Waldstück in der Nähe der Stadt Isjum bisher rund 60 Leichen geborgen worden sein. Die meisten Frauen und Männer waren demnach Zivilisten. Unter den Toten waren auch zahlreiche ukrainische Soldaten. Die meisten seien eines gewaltsamen Todes gestorben, sagte er.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte darüber informiert, dass einige der Toten auch Folterspuren aufwiesen. Die Exhumierung der Toten sollte am Sonntag fortgesetzt werden. Auch die Vereinten Nationen wollen ein Team nach Isjum schicken, um bei der Ermittlung der genauen Todesursachen zu helfen.

In Isjum gibt es nach ukrainischen Behördenangaben mehr als 440 Leichen in dem Waldstück. Die Menschen sollen ersten Erkenntnissen zufolge ums Leben gekommen sein, als Russland die Stadt Ende März heftig beschossen hatte. Präsident Selenskyj hatte den Fund mit jenem in Butscha  verglichen. Ende März waren in dem Kiewer Vorort nach dem Abzug russischer Truppen Hunderte getötete Zivilisten teils mit Folterspuren und gefesselten Händen gefunden worden. Butscha gilt seitdem als Symbol für schwerste Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

In der vergangenen Woche hatten die ukrainischen Truppen mehr als ein halbes Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs große Teile des Gebiets Charkiw zurückerobert. Aktuell stehen noch etwa sechs Prozent der Provinz unter russischer Kontrolle.

kek/dpa
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