Video kurz vor Raketenangriff Die letzten Minuten im Leben der vierjährigen Lisa

Gerade noch schob sie ihren Kinderwagen neben ihrer Mutter, kurz darauf war sie tot: Ein Video der vierjährigen Lisa wird im Internet zu einem Symbol des Raketenangriffs auf die westukrainische Stadt Winnyzja.
Am Ort des Raketeneinschlags legen Menschen Blumen und Plüschtiere in Gedenken an die Toten nieder

Am Ort des Raketeneinschlags legen Menschen Blumen und Plüschtiere in Gedenken an die Toten nieder

Foto: Efrem Lukatsky / AP

Weit entfernt von der Frontlinie im Donbass, im westukrainischen Winnyzja, sind am Donnerstagvormittag russische Raketen eingeschlagen und haben mindestens 23 Menschen getötet, darunter drei Kinder. Eines davon war die vierjährige Lisa. Ein Video von kurz vor ihrem Tod wird derzeit verstärkt in den sozialen Medien geteilt. Auch das ukrainische Verteidigungsministerium lud es hoch und bestätigte den Tod des Mädchens.

Lisas Mutter hatte das Video am Donnerstagmorgen gepostet. Darin ist zu sehen, wie das Mädchen in heller Kleidung und Jeansjacke ihren Kinderwagen schiebt.

Auf Fotos nach dem Raketenangriff liegt der gleiche schwarzpinke Kinderwagen auf dem Boden, auf dem Stoff sind Blutspuren zu sehen. Lisas Mutter wurde bei dem Angriff nach Angaben des Verteidigungsministeriums schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Wie es ihr aktuell geht, ist unklar.

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Lisa und ihre Mutter waren offenbar auf dem Weg zu einer logopädischen Behandlung, wie das Video nahelegt. Das Mädchen hatte das Downsyndrom. Die Mutter teilte vor dem Angriff in den sozialen Medien regelmäßig Fotos ihrer Tochter. Sie gab Einblicke in das Leben ihres »kleinen Engels« und reflektierte über verschiedene Themen, darunter den gesellschaftlichen Umgang mit dem Downsyndrom. Die neuesten Fotos des Instagram-Accounts zeigen Mutter und Tochter in lila Kleidern in einem Lavendelfeld.

Die BBC sprach mit der Leiterin eines örtlichen Kinderzentrums, das Lisa fast täglich besuchte. »Lisa war sehr fröhlich, sie kam gerne zu uns«, sagte Valeriia Korol der BBC . »Sie war ein sehr liebes Kind. Für ihre Mutter war sie der ganze Sinn ihres Lebens. Sie hat sie wahnsinnig geliebt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was für eine Tragödie das für die Familie ist.« Das Zentrum bat in den sozialen Medien um Spenden für die Familie.

Der Kinderwagen am Ort des Angriffs

Der Kinderwagen am Ort des Angriffs

Foto: Efrem Lukatsky / AP

Der BBC zufolge waren Lisa und ihre Mutter zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine aus Kiew nach Winnyzja zurückgekehrt, weil die Familie es dort für sicherer hielt.

Die Frau von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Olena Selenska, äußerte sich auf Twitter bestürzt über den Tod des Mädchens. Als sie die Nachricht gelesen habe, »wurde mir klar, dass ich dieses Mädchen kenne«, schrieb Selenska. Sie habe Lisa beim Dreh eines Weihnachtsvideos kennengelernt. »Das kleine Mädchen schaffte es, in nur einer halben Stunde nicht nur sich selbst und ihr Kleid, sondern auch alle anderen Kinder, mich, die Kameraleute und den Regisseur mit Farbe zu bemalen.« Selenska teilte das entstandene Video und schrieb, sie würde mit Lisas Angehörigen »weinen«.

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Neben Lisa kamen bei dem Angriff noch zwei weitere Kinder ums Leben. Ein siebenjähriger Junge und seine Mutter starben, sowie ein achtjähriger Junge.

Die russische Seite hat den Raketenangriff inzwischen bestätigt, spricht jedoch von einem militärischen Ziel: Man habe ein Treffen der ukrainischen Militärführung mit ausländischen Waffenlieferanten getroffen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Alle Teilnehmer der Sitzung seien getötet worden.

US-Offizieller weist russische Version des Angriffs zurück

Nach ukrainischen Angaben sind in Winnyzja drei Raketen in ein hohes Gebäude und auf einem Parkplatz eingeschlagen. Das getroffene »Haus der Offiziere« im Stadtzentrum stammt demnach aus Sowjetzeiten und wird heute unter anderem als Konzertsaal genutzt. Am Tag des Angriffs sollte dort die Sängerin Roxolana auftreten. Ihr Tonregisseur ist unter den Todesopfern.

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Ein Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums weist die russische Darstellung zurück: »Ich habe keinen Hinweis, dass ein militärisches Ziel dort irgendwo in der Nähe war«, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums anonym der Nachrichtenagentur AFP. Vielmehr sehe das getroffene Objekt »wie ein Gebäude mit Wohnungen« aus.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Beschuss von Winnyzja als »offenen Akt des Terrorismus«. Auch Uno-Generalsekretär António Guterres und Vertreter des Westens reagierten entsetzt.

Die Bundesregierung in Berlin forderte von Moskau den sofortigen Stopp von Angriffen auf zivile Einrichtungen. Der Beschuss von Winnyzja sei ein »Akt der Grausamkeit«, sagte Vize-Regierungssprecher Wolfgang Büchner. Dieser Angriff zeige »einmal mehr, dass Russland in diesem Krieg massiv gegen die Regeln des Völkerrechts verstößt«.

kko/AFP
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