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Beschuss im Libanon Menschenrechtler werfen Israel gezielte Tötung von Journalist vor

Der Reuters-Journalist Issam Abdallah wird bei einem Raketeneinschlag im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon getötet. Reporter ohne Grenzen hat sich Aufzeichnungen angesehen – und erhebt nun schwere Vorwürfe.
Ein israelischer Panzer patrouilliert entlang der Grenze zum Libanon: Zwei Einschläge am selben Ort und aus der gleichen Richtung

Ein israelischer Panzer patrouilliert entlang der Grenze zum Libanon: Zwei Einschläge am selben Ort und aus der gleichen Richtung

Foto: FADEL SENNA / AFP

Der Hamas-Überfall auf Israel ist wenige Tage alt. Um Angriffe der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon abzuwehren, fliegt Israel gezielte Luftschläge entlang der Grenze. Inmitten der Beschüsse kommt der Reuters-Journalist Issam Abdallah ums Leben.

Nun, zwei Wochen später, erhebt Reporter ohne Grenzen (RSF) schwere Vorwürfe gegen Israel. Der Tod des Fotojournalisten soll das Ergebnis eines gezielten Angriffs aus Richtung der israelischen Grenze sein.

»Wir sind uns sicher, dass es unmöglich ist, sie mit Kämpfern zu verwechseln«

Nach der von RSF durchgeführten Analyse  seien zwei Geschosse aus dem Osten gekommen, »also aus Richtung der israelischen Grenze«, teilte die Journalistenorganisation mit. Abdallah habe sich dort gemeinsam mit sechs anderen Journalisten aufgehalten. Es habe zwei Einschläge am selben Ort und aus der gleichen Richtung innerhalb von rund 30 Sekunden gegeben. Das deute klar auf eine konkrete Zielerfassung hin. Bei dem ersten Einschlag sei Abdallah getötet worden, bei dem zweiten seien andere Journalisten, unter anderem des Senders Al Jazeera und der Agentur AFP, verletzt worden.

Das israelische Militär hat erklärt, es ziele nicht absichtlich auf Journalisten, und untersuche den Vorfall vom 13. Oktober. Reuters hat die israelischen Streitkräfte zu einer Stellungnahme zu der RSF-Mitteilung aufgefordert. Reuters selbst hatte am 14. Oktober berichtet, Abdallah sei bei einem Raketeneinschlag getötet worden.

Reporter ohne Grenzen stellte am Sonntag die Frage, ob es möglich gewesen sein könnte, dass man nicht gewusst habe, dass es sich bei der Gruppe um Journalisten gehandelt habe – und teilte dazu mit: »Wir sind uns sicher, dass es unmöglich ist, sie mit Kämpfern zu verwechseln.« Sie hätten sich mehr als eine Stunde lang im Freien auf einer Anhöhe befunden, seien gut sichtbar und als Pressevertreter erkennbar gewesen. Die Organisation fügte ihrer Pressemitteilung einen Link zu einem Video bei, in dem unter anderem die Gruppe vor dem Beschuss zu sehen ist und auch die beiden Einschläge. Im Video sind die Westen mit groß aufgedruckten »Press«-Schriftzeichen deutlich erkennbar.

mrc