Berichte aus südukrainischer Hafenstadt Offenbar Krankenhäuser in Mykolajiw beschossen

Russische Truppen haben in der ukrainischen Stadt Mykolajiw in der Nacht wohl Kliniken angegriffen. »Jetzt gibt es keine Regeln mehr«, erklärte der Gouverneur der Region. Er kündigte harte Gegenwehr an.
Beschädigtes Haus in Mykolajiw

Beschädigtes Haus in Mykolajiw

Foto: Bulent Kilic / AFP

Die russische Armee hat bei Angriffen auf die Hafenstadt Mykolajiw in der Südukraine offenbar auch Krankenhäuser beschossen. Laut mehreren Berichten stand die Stadt nahe Odessa in der Nacht zum Samstag ununterbrochen unter Feuer. Getroffen wurden laut einer Reporterin der Nachrichtenagentur AFP unter anderem eine Tagesklinik für Krebspatienten und eine Augenklinik.

In dem neu renovierten Krebszentrum, in dem sich Patientinnen und Patienten tagsüber einer Chemotherapie unterziehen, gingen laut dem Bericht Fenster zu Bruch. An den Türen seien Einschusslöcher zu sehen. Es gebe in der Gegend nur zivile und keine militärischen Ziele, sagte der Leiter des Krankenhauses im Stadtviertel Ingulski, Dmytro Lagotschew. »Hier gibt es ein Krankenhaus, ein Waisenhaus, eine Augenklinik.«

Ingulski liegt im Norden von Mykolajiw. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben den Berichten zufolge keine Heizung mehr, viele versuchen die Stadt zu verlassen.

»Wir werden hart gegen sie vorgehen«

In dem Krebszentrum waren während des Angriffs offenbar weder Patientinnen und Patienten noch Angestellte. In der Augenklinik haben sich Menschen versteckt, heißt es: »Wir haben die ganze Nacht im Keller verbracht, alle haben gezittert, die Patienten hatten Angst«, sagte Klinikleiterin Kasimira Rilkowa. Zur Zahl der Patienten machte sie keine Angaben.

Auch der Gouverneur des südukrainischen Gebiets Mykolajiw, Witalij Kim, berichtete über den Beschuss von Kliniken: »Die Besatzer haben nachts mit wahllosem, chaotischem Feuer Krankenhäuser und Internate beschossen«, schrieb er. Zwei Menschen seien verletzt worden. Die Angreifer hätten ihre Taktik geändert und versteckten sich in Dörfern zwischen Zivilgebäuden. »Jetzt gibt es keine Regeln mehr, wir werden hart gegen sie vorgehen«, so Kim.

Mykolajiw liegt an der Mündung des Südlichen Bugs ins Schwarze Meer. Sollten russische Truppen die Stadt einnehmen oder umgehen, stünde ihnen der Landweg nach Odessa offen. Die bedeutende südwestliche Hafenstadt könnte dann vom Rest des Landes abgeschnitten werden.

jme/AFP
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