Demos gegen die Regierung Sicherheitskräfte verhindern geplante Proteste in Kuba

Die Opposition plante Großproteste gegen die sozialistische Regierung in Kuba. Doch wichtige Kritiker wurden festgenommen, Aktivisten dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen.
Kubanische Militärfahrzeuge

Kubanische Militärfahrzeuge

Foto: ALEXANDRE MENEGHINI / REUTERS

Sie wollten für die Freiheit und gegen die Misswirtschaft in ihrem Land demonstrieren. Doch daraus wird nichts: Eine hohe Präsenz von Sicherheitskräften hat in Kuba neue Proteste gegen die Regierung verhindert.

Zahlreiche Aktivisten, Journalisten und andere Menschen, die den Protestaufruf verbreitet oder sich gegen die Regierung ausgesprochen hatten, berichteten am Montag in sozialen Medien, sie würden am Verlassen ihrer Wohnungen und Häuser gehindert. Es gab auch Berichte über Festnahmen von Kubanern, die mit weißer Kleidung und weißen Rosen – den Symbolen des Protests – auf die Straßen von Havanna und anderen Städten gingen. Der Vize-Präsident des Rates für den demokratischen Übergang, Manuel Cuesta Morua, wurde festgenommen, als er das Haus verlassen wollte, wie seine Frau Nairobi Scheri der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Vor den Häusern mancher Aktivisten versammelten sich Gruppen von Unterstützern der sozialistischen Regierung, die Parolen und Beschimpfungen riefen, wie in Videos auf Twitter zu sehen war. Das betraf etwa Saily González, ein Mitglied der Aktivisten-Gruppe Archipiélago, die die Demonstrationen organisierte. »Wenn man mich heute nicht rausgehen lässt, werde ich es morgen machen – und zwar mit mehr Überzeugung und Entschlossenheit als heute«, twitterte sie. In Kuba herrsche eine Diktatur, die beendet werden müsse.

Außenminister Bruno Rodríguez sprach von einer »gescheiterten Operation« und warf den USA vor, hinter dem Demonstrationsaufruf zu stecken. »Anscheinend haben sich meine Kollegen in Washington umsonst verkleidet, für eine Party, die nicht stattgefunden hat«, spottete er in einem auf Facebook veröffentlichten Video.

Proteste sind in Kuba äußerst selten. Zuletzt hatte es im Juli Demonstrationen in rund 40 Städten gegeben. Es handelte sich damals um die größten regierungskritischen Veranstaltungen seit der von Fidel Castro angeführten Revolution von 1959 (lesen Sie hier mehr).

Die Menschen brachten ihren Unmut über die schlimmste Wirtschaftskrise seit 30 Jahren und die damit einhergehende Strom- und Lebensmittelknappheit zum Ausdruck. Die Demonstrationen wurden teils gewaltsam niedergeschlagen, ein Mensch wurde getötet. Mehr als 1200 Menschen wurden festgenommen, nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation Cubalex sitzen mehr als 650 von ihnen noch immer im Gefängnis.

als/dpa/AFP
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