Kurdische Stellungen Aktivisten melden türkische Angriffe im Norden Syriens

Die Türkei setzt ihre Luftangriffe in Nordsyrien fort. Auch per Drohne attackiert Ankara kurdische Ziele im Nachbarland, melden Aktivisten. Die USA kritisieren das Vorgehen scharf.
Rauchsäule im Norden Syriens nach türkischem Beschuss (am 23. November)

Rauchsäule im Norden Syriens nach türkischem Beschuss (am 23. November)

Foto: Baderkhan Ahmad / AP

Aktivisten zufolge hat Ankara im Norden Syriens erneut kurdische Ziele angegriffen. Türkische Streitkräfte hätten am Donnerstag mehrere Dörfer beschossen sowie ein Gebiet per Drohne attackiert, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Berichte über Tote oder Verletzte gab es demnach zunächst nicht. Auch ein Militärstützpunkt der syrischen Regierungskräfte in der Nähe von Kobanê soll bombardiert worden sein. Die Türkei setzt nach eigenen Angaben auch Geschütze am Boden ein.

Seit der Nacht zum Sonntag geht die Türkei im Nordirak und in Nordsyrien mit Luftangriffen gegen die YPG und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor. Ankara macht sie für einen Anschlag auf der Istanbuler Einkaufsstraße Istiklal  vor fast zwei Wochen verantwortlich. Beide Gruppen hatten dies jedoch zurückgewiesen. Die USA sehen die YPG als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) in Syrien. Bislang hat die Türkei seit Sonntag eigenen Angaben zufolge Hunderte Ziele angegriffen und dabei insgesamt »254 Terroristen neutralisiert«.

Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), zu denen die YPG gehört, meldeten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters den Tod Dutzender Menschen, darunter elf SDF-Kämpfer, infolge der Drohnenangriffe. Aus Sicht des Militärbündnisses bereitet Ankara mit den Luftangriffen eine Bodenoffensive vor: »Der Feind zielt darauf ab, unseren Verteidigungskräften, insbesondere unseren Kommandeuren und Kommandozentralen, schwere Schläge zu versetzen«, heißt es in einer Erklärung. »Auf diese Weise bereitet er den Boden für eine Bodenoffensive vor«. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erwähnte selbst die Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen kurdische Stellungen.

Scharfe Reaktion aus dem Pentagon

Die USA reagierten scharf auf die Angriffe. Die türkischen Drohnen trafen am späten Mittwochabend Ölanlagen in der Nähe der syrischen Stadt Qamischli sowie das ölreiche Gebiet Rumeilan, in dessen Nähe sich US-Truppen befanden. Das Pentagon erklärte daraufhin, die türkischen Luftangriffe gefährdeten die Sicherheit des US-Militärpersonals und die jahrelangen Fortschritte im Kampf gegen den IS in dem Gebiet, heißt es weiter laut Reuters. In Syrien befinden sich rund 900 US-Soldaten, die hauptsächlich mit den SDF im Nordosten des Landes zusammenarbeiten.

Auf die Bemerkung des Pentagons angesprochen, sagte eine Quelle des türkischen Verteidigungsministeriums, Ankara wähle seine Ziele »mit Bedacht aus« und stehe in engem Kontakt mit den US-Kollegen. Die getroffenen Ölfelder gehörten nicht zu Ankaras Zielen.

col/ulz/dpa/Reuters
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