Veröffentlichtes Kussvideo von Minister Hancock Britische Regierung sucht Sicherheitslücke

Das Bild einer Überwachungskamera zeigte Matt Hancock und eine Kollegin beim Küssen. In der Folge trat der Gesundheitsminister zurück. Nun soll untersucht werden, wie das kompromittierende Material an die Medien gelangte.
Zurückgetretener Minister Matt Hancock: Küsse trotz Kontaktbeschränkungen

Zurückgetretener Minister Matt Hancock: Küsse trotz Kontaktbeschränkungen

Foto: Hollie Adams / Getty Images

Die britische Regierung fahndet nach einem Sicherheitsleck, nachdem eine Zeitung eine Affäre von Gesundheitsminister Matt Hancock aufgedeckt hat. Die »Sun« hatte das Bild einer Überwachungskamera veröffentlicht, das den mittlerweile zurückgetretenen Ressortchef in seinem Büro in inniger Umarmung mit einer Mitarbeiterin zeigt. Das Bild war auf den 6. Mai datiert. Damals galten in England noch Kontaktbeschränkungen.

Hancock und die Frau auf dem veröffentlichten Bild, Gina Coladangelo, kennen sich aus dem Studium. Coladangelo hat früher als Lobbyistin gearbeitet und ist dann in Hancocks Beraterteam gewechselt. In diesem Jahr wurde sie zur nicht-geschäftsführenden Direktorin des Gesundheitsministeriums ernannt.

In der Regierung wird nun untersucht, wie das Bildmaterial aus dem Ministerium an die Zeitung gelangen konnte. »Wir müssen herausfinden, wie es dazu kommen konnte«, sagte Kabinettsmitglied Brandon Lewis am Sonntag dem Sender Sky News. Das Gesundheitsministerium werde eine interne Untersuchung einleiten.

Die Oppositionspartei Labour forderte derweil, Hancock die vorgesehene Abfindung in Höhe von 16.000 Pfund (rund 18.500 Euro) zu verwehren. Alles andere wäre erschreckend und die Bevölkerung würde es nicht tolerieren, sagte Labourpolitikerin Lucy Powell. Sie kritisierte zudem Premierminister Boris Johnson scharf. Dass der Regierungschef den Minister nicht gefeuert, sondern ihm zunächst den Rücken gestärkt hatte, zeige, dass Johnson »einen sehr gefährlichen blinden Fleck« bei Fragen der Integrität und des Verhaltens im öffentlichen Leben habe.

Hancock stand schon vor der öffentlich gewordenen Affäre länger in der Kritik. So soll er Millionenaufträge für Corona-Schutzausrüstung ohne Prüfung an Freunde verteilt und Milliarden in ein unzureichendes Testsystem gesteckt haben. Johnsons ehemaliger Topberater Dominic Cummings hat Hancock vorgeworfen, in der Pandemie mehrfach gelogen zu haben und deutete an, dass der Premierminister den Gesundheitsminister rauswerfen wollte.

cbu/dpa/afp
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