Lesbos Großer Brand im Flüchtlingscamp Moria
Brand im provisorischen Zeltlager auf Lesbos: Hier leben mehr als 19.000 Menschen unter sehr schlechten Bedingungen
Foto:MANOLIS LAGOUTARIS/ AFP
Seitdem die Türkei praktisch den EU-Türkei-Flüchtlingsdeal gebrochen hat, spitzt sich die Lage auf den griechischen Inseln immer weiter zu. Nun ist in dem Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos ein Feuer ausgebrochen. Dabei ist ein Kind getötet worden, die Polizei bestätigte auf Nachfrage entsprechende Mitteilungen. Es soll sich um ein sechsjähriges Mädchen handeln. Ein Offizier der Feuerwehr sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Ursache sei noch unklar. Der Brand sei groß und es seien starke Einheiten der Feuerwehr vor Ort. Zunächst lagen keine Informationen über Verletzte vor.
Die Feuerwehr habe Schwierigkeiten, den Brand unter Kontrolle zu bringen, weil die Containerwohnungen im Lager sehr dicht beieinander stehen, berichteten örtliche Medien. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf denen Menschen zu sehen sind, die in Panik versuchen, den Flammen zu entkommen.
Auf Twitter waren Videos von starken Rauchschwaden über dem Camp zu sehen. Dort berichtete eine Journalistin auch, dass das Feuer inzwischen unter Kontrolle sei. Demnach wurde großer Schaden angerichtet. In den vergangenen Jahren war es bereits zu Bränden in dem überfüllten Flüchtlingslager gekommen. Außerdem erlebt die Insel gerade eine Welle rechtsextremer Gewalt. Auch dabei wurden Feuer gelegt. So brannte vor kurzem etwa das Gebäude einer Schweizer Hilfsorganisation ab.
🚨 Update: Fire reported to be contained for now. Excessive damage. Injuries reported. Developments still ongoing.
— Franziska Grillmeier (@f_grillmeier) March 16, 2020
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In und um dem Camp von Moria leben derzeit mehr als 19.000 Menschen unter sehr schlechten Bedingungen . Das sind etwa zehn Mal so viele Bewohner wie ursprünglich vorgesehen waren. Zusätzliche Gefahr für die Flüchtlinge, die auf der Ägäis-Insel auf engstem Raum leben ist die Verbreitung des neuartigen Coronavirus bei den mangelnden Hygienevorkehrungen. Seit dem die Grenzen für Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland offen sind, werden Neuankömmlinge von Griechenland nicht mehr als Asylsuchende registriert.
Grüne wollen Flüchtlinge evakuieren
Nach dem Brand in Griechenlands größtem Flüchtlingslager fordern die Grünen, Menschen aus den Camps auf den griechischen Inseln zu holen. "Der heutige Brand in Camp Moria hat einmal mehr gezeigt, was seit langem bekannt ist: Die Lager müssen umgehend evakuiert werden", sagte Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth der Deutschen Presse-Agentur. Parteichefin Annalena Baerbock sagte, schon wegen der Coronakrise brauche es Dezentralisierung. "Als erstes müssen die Zerbrechlichsten - Kinder, Schwangere, Kranke, Alte - schnell von den griechischen Inseln runter."
In den Lagern herrschten katastrophale hygienische Zustände, und Abstand zwischen die Menschen zu bringen sei unmöglich, sagte Baerbock. Die Sorge sei, dass nun weiteres Chaos ausbreche. "Selbstverständlich sind die Bedingungen derzeit extrem schwierig, ein pragmatisches Vorgehen im Rahmen der Möglichkeiten ist nötig. Aber es muss gehandelt werden." Roth sagte, die Menschen müssten "runter von den Inseln, aufs Festland, in ein geordnetes europäisches Verfahren".