Lesbos Schüsse auf Asylbewerber - Polizei nimmt 55-jährigen Griechen fest

Nahe dem Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos sind ein Afghane und ein Iraner mit einer Schusswaffe leicht verwundet worden. Nun hat die griechische Polizei einen Verdächtigen festgenommen.
Überfülltes Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos (Archivbild)

Überfülltes Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos (Archivbild)

Foto: Aggelos Barai/ AP

Nach den Schüssen auf zwei Asylbewerber auf der Insel Lesbos hat die griechische Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Dabei handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um einen 55-jährigen Einheimischen.

Am Mittwochabend waren auf der Insel zwei Asylbewerber mit einer Jagdflinte angeschossen worden. Die beiden Migranten, ein Iraner und ein Afghane, hätten sich am späten Mittwochabend mit Schusswunden in der Krankenstation des Flüchtlingslagers Moria gemeldet, hieß es aus Kreisen des Lagers. Sie wurden in ein örtliches Krankenhaus gebracht und waren offenbar nicht schwer verletzt.

Die Polizisten nahmen den verdächtigen Griechen in der Inselhauptstadt Mytilini fest. Ihm wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Die Beamten stellten bei ihm ein Jagdgewehr und Munition sicher. Nach SPIEGEL-Informationen gab der 55-Jährige bei der Vernehmung an, dass ihn Migranten angeblich in letzter Zeit bestohlen hätten.

Angriff ereignete sich bei Spaziergang

Der Angriff auf die beiden Verletzten soll sich in etwa sieben Kilometer Entfernung vom Camp Moria ereignet haben. Eigentlich gilt für das Lager derzeit wegen der Corona-Pandemie eine Ausgangssperre. Der Polizei gegenüber gaben die beiden Asylbewerber zu, das Lager verlassen zu haben.

Auf Lesbos ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Gewalt gegen Geflüchtete, Journalisten und NGO-Mitarbeiter gekommen. Im März übernahmen Rechtsextreme zeitweise die Kontrolle über Teile der Insel und errichteten Straßensperren. Zuvor hatte ein Teil der Einheimischen unter anderem gegen ein neues Flüchtlingscamp auf der Insel demonstriert.

Auf Lesbos harren knapp 20.000 Asylbewerber unter menschenunwürdigen Bedingungen aus, die meisten von ihnen in Zelten an einem Olivenhain. Das Lager beherbergt sieben Mal so viele Bewohner wie vorgesehen. Das griechische Asylsystem ist überlastet, die Bearbeitung der Anträge dauert Monate oder Jahre.

gec/slü/AFP/dpa
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