Lewis Hamilton über rassistische Denkmäler "Reißt sie alle nieder. Überall"

Mit deutlichen Worten hat er bereits die Formel 1 für ihre Reaktion auf die rassistische Polizeigewalt in den USA kritisiert. Jetzt fordert Lewis Hamilton, rassistische Statuen zu entfernen.
Rennfahrer Lewis Hamilton

Rennfahrer Lewis Hamilton

Foto: WILLIAM WEST/ AFP

"Alle Statuen von rassistischen Männern, die Geld mit dem Verkauf eines Menschen verdient haben, sollten abgerissen werden" - das hat Formel-1-Sportler Lewis Hamilton auf seinem Instagram-Kanal  geschrieben. Der Weltmeister forderte von Regierungen in aller Welt, Statuen zu entfernen, die als rassistische Symbole begriffen werden können.

Dazu postete der britische Rennfahrer einen Beitrag über eine Anti-Rassismus-Demonstration in Bristol, bei der die Statue eines englischen Händlers vom Sockel gestoßen wurde, der seinen Reichtum zum erheblichen Teil aus dem Handel mit Sklaven gewonnen hatte. "Unser Land hat einen Mann geehrt, der afrikanische Sklaven verkauft hat!", so Hamilton dazu. Bei den Protesten in Bristol war die Statue ins Hafenbecken geworfen worden. "Reißt sie alle nieder. Überall", schrieb der 35-Jährige.

Mit seinem Posting verwies Hamilton auf wortgleiche Äußerungen des amerikanischen Bürgerrechtlers und Schriftstellers Shaun King, welcher dieser ebenfalls auf Instagram verbreitet hatte.

Der Mercedes-Pilot hatte sich zuletzt mit emotionalen Aufrufen in die Debatte nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einer Polizeiaktion in den USA eingeschaltet. So hatte er das Schweigen in der Formel 1 zu den Anti-Rassismus-Protesten kritisiert und den Motorsport als "von Weißen dominiert" bezeichnet. Mehrere Formel-1-Kollegen und Teams solidarisierten sich daraufhin mit Hamilton und der "Black-Lives-Matter"-Bewegung.

"Lewis ist ein großartiger Botschafter und seine Anmerkungen sind sehr berechtigt, wir unterstützen ihn vollständig", sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn im TV-Sender Sky zu den Anti-Rassismus-Kommentaren Hamiltons.

Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff stellte sich bereits vergangene Woche hinter seinen Rennfahrer. "Ich bin glücklich darüber und unterstütze, dass er seiner Stimme Gehör verschafft hat", so Wolff in einem Sky-Interview. Er habe viel von Hamilton gelernt.

Der Bürgermeister von Bristol bedauerte den Verlust der gestürzten Sklavenhändler-Statue nicht. "Als gewählter Politiker kann ich Sachbeschädigung und Unruhen wie diese nicht unterstützen", sagte Marvin Rees von der Labour-Partei am Montag. Aber die Statue eines Sklavenhändlers mitten in der Stadt sei für ihn niemals etwas anderes als ein "persönlicher Affront" gewesen, betonte der Politiker mit jamaikanischen Wurzeln.

Der Händler Edward Colston (1636-1721) wird in Bristol seit Jahrhunderten als Wohltäter verehrt, weil er Armenhäuser und Schulen unterstützte. Sein Reichtum gründete jedoch zu einem erheblichen Teil auf dem Handel mit afrikanischen Sklaven, die unter unsäglichen Bedingungen nach Amerika verschifft wurden. Viele starben bereits an Bord, manche von ihnen wurden ins Meer geworfen. In den vergangenen Jahrzehnten kamen daher immer wieder Forderungen auf, die Statue zu entfernen sowie Straßen und nach Colston benannte Gebäude umzubenennen.

In Großbritannien sind am vergangenen Wochenende trotz Kontaktbeschränkungen in der Coronavirus-Pandemie wieder Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Hamilton gehört zu ihren prominentesten Unterstützern.

Anmerkung, 9. Juni 2020: Wir haben im Text Aussagen zum Instagram-Beitrag von Hamilton präzisiert und ergänzt.

evh/jat/dpa